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Vierter Abschnitt!
geschrieben. Der Neujahrstag, Nauroz, wurde bei den Persern ganzbesonders gefeiert, und an diesem Tage trank man Honig; dieZauberbücher sagen darüber: „wer am Nauroz morgens, bevor erspricht, dreimal Honig schlürft, und sein Zimmer mit drei StückenWachs ausräuchert, wird gegen alles Missgeschick gefeit sein",„wer an diesem Morgen, ehe er spricht, Zucker isst, und sich mitÖl salbt, bleibt in diesem Jahre frei von Unglück". Am Nauroz-Tage war es auch eine allgemeine Gewohnheit, sich gegenseitigmit Zucker zu beschenken, und zwar rührt, nach Ädharbädh, die-ser Gebrauch daher, dass das Zuckerrohr, welches bis dahin un-bekannt war, zuerst an diesem Festtage, unter der Herrschaft desKönigs Jam, entdeckt wurde: als dieser nämlich aus einem Rohreetwas Saft abtropfen sah, kostete er ihn, und fand ihn angenehmsüss, worauf er befahl, den Saft aus dem Rohre auszupressen, undZucker daraus zu machen. Am fünften Tage war dieser fertig,und dann beschenkten sie sich gegenseitig mit Zucker; dieselbeGewohnheit besteht auch in Mekrän."
Diese von Albirüni erhaltene Tradition erweist sich schondadurch als jüngeren Ursprungs, dass sie von festem Zucker spricht,und die Kenntnis desselben bereits voraussetzt. Es wird aber auchvom Könige Jam (Jamschid, Dschemschid) erzählt, dass er280 Jahre nach Erschaffung des Menschengeschlechtes zu herrschenbegonnen, und 616 Jahre regiert habe; er lehrte das Spinnen undWeben, legte die ersten Kanäle an, mit deren Wasser er das Landbefruchtete, erfand die ersten Waffen, und bekriegte mittelst der-selben die Dämonen (Albirüni, ebd. 111, 113, 202); er gilt alsoals Repräsentant der ältesten mythischen Zeitperiode, in welchedie Perser später die Erfindung alles dessen verlegten, was ihnen,seinem Ursprünge nach, unklar war; vom Nauröz-Feste berichtensie allerdings sogar, dass es selbst vor der Zeit des Königs Jamschon gefeiert wurde (ebd. 200).
In Wahrheit giebt es jedoch kein Anzeichen, das auf eineBekanntschaft der Perser mit dem Zuckerrohre vor Ende des fünftenJahrhunderts schliessen lässt. In den heiligen Schriften der Parsenwird es nicht genannt, obwohl die Kenntnisse der Priester überKräuterkunde und Medizin im „Vendidäd" ausführlich beschriebensind; gross waren diese allerdings überhaupt nicht, denn es heisstdaselbst, die Priester heilten mit Kräutern, oder mit dem Messer,am besten aber durch Gebet (Spiegel III, 581). Ebensowenigsprechen spätere Schriften davon; zur Zeit Sapur I. (241—272)werden in der Anekdote von der Prinzessin Nadlra (die an An-dersen's Märchen von der Prinzessin auf der Erbse erinnert) als