Druckschrift 
Geschichte des Zuckers, seiner Darstellung und Verwendung, seit den ältesten Zeiten bis zum Beginne der Rübenzuckerfabrikation : ein Beitrag zur Kulturgeschichte
Entstehung
Seite
93
Einzelbild herunterladen
 

Die Ausbreitung d. Zuckerrohren nach Westen, u. d. Erfindung d. Raffination. 93

481, als ketzerisch verwarf, abgesetzt, und von Theodosiusverbannt worden, während gleichzeitig seine Lehre verboten,und auf das heftigste verfolgt wurde. Im eranischen Reichefanden die flüchtenden Nestorianer, da man sie als erbitterteFeinde der Byzantiner betrachtete, stets freundliche Aufnahme(Spiegel III, 719 und 358), und ihre Zahl wuchs so rasch, dasssich die Christen des persischen Reiches auf einer Synode in Gon-disapür, 484, als nestorianische Gemeinde konstituierten, und einenMetropoliten mit dem Sitze in dieser Stadt wählten, welcher baldden ersten Rang nach dem Patriarchen von Seleucia einnahm(Tabari 41 und 118). So wandten sich auch die Vertriebenenvon Edessa, die dort namentlich griechische Wissenschaft undArzneikunde gepflegt, und griechische Werke ins Syrische über-setzt hatten, nach Mesopotamien, und besonders nach Gondisapür,wohin gleichzeitig die Klosterschule von Ahwäz verlegt wurde;von da ab nahm die Schule von Gondisapür einen grossartigenAufschwung, und wurde eines der wichtigsten Bindeglieder für dieÜbermittlung der antiken Bildung und Wissenschaft an den Orient.Den grössten Nachdruck legte man aber daselbst auf die Medizin,einmal weil sich die nestorianischen Gelehrten schon früher vor-wiegend mit dieser beschäftigt hatten, sodann weil die Ausübungder medizinischen Praxis ein Hauptmittel derselben war, um fürsich und ihre Glaubensgenossen Duldung und die Gunst der Grossenzu erlangen.

Nun ist es einerseits bezeugt, dass die Schule von Gondisapürseit ihrem Anfange in Verbindung mit Indien stand, dass die in-dische Arzneilehre dort grossen Einfluss gewann, ja dass selbstindische Ärzte dahin kamen (Reinaud, ,Mem." 310: AbulfedaI, 175), was nicht Wunder nehmen kann, wenn man die NäheObollah's bedenkt, welcher Hafen Jahrhunderte lang der Haupt-platz des persisch-indischen Handels war (Spiegel III, 535), undsich erinnert, dass schon König Sapur IL (309—379) einen Arztaus Indien zu sich berief (Tabari 67), ihn in Sus ansiedelte, unddie Perser durch ihn belehren Hess; andererseits waren die Nesto-rianer schon frühzeitig auch in Indien sehr verbreitet, so dassKosmas Indikopleustes, um 530, selbst in Malabar bereitsganze Gemeinden derselben antraf (Bohlen I, 381). Durch Ver-mittlung dieser Verbindungen dürfte das Zuckerrohr, das sich jain der indischen Medizin so grosser Wertschätzung erfreute, denfielehrten von Gondisapür bekannt geworden sein; wie später derZucker, so diente anfangs gewiss auch das Zuckerrohr ausschliess-lich medizinischen Zwecken, und nur als von solchen veranlasst.