VIERTER ABSCHNITT.
Die Ausbreitung des Zuckerrohres nach Westen,und die Erfindung der Raffination.
Der chinesische Pilger Fahian, der um 400 n. Chr. Indienbereiste, sagt in der Beschreibung seiner Pilgerfahrt („Pilgriin." 27):„Auf den südlichen Abhängen der Gebirge im Königreich Kiechhaerhalten schon Pflanzen und Tiere ein anderes Aussehen, und nurdrei davon sind den unsrigen in China ganz gleich, nämlich derBambus, der Granatapfel und das Zuckerrohr." Unter Kiechha ver-stehen einige Erklärer Kaschmir, andere Tibet; jedenfalls zeigt aberdie Stelle, dass der Verbreitungsbezirk des Zuckerrohres um dieseZeit schon bedeutend an Ausdehnung gewonnen, und die Grenzender indischen Heimat überschritten hatte.
Aus einer wenig späteren Periode stammt auch die erste Er-wähnung des Zuckerrohres westlich vom Unterlaufe des Indus.Moses von Chorene (Khorni) nämlich, der in der zweiten Hälftedes fünften Jahrhunderts in armenischer Sprache seine „Geographie"verfasste, und, da die Armenier vor ihrer Bekehrung zum Christen-tum eranisch schrieben, einer der ersten Schriftsteller ist, die sichdieser Sprache bedienen, berichtet, „dass in Elymais, bei Gondisapür,köstliches Zuckerrohr (Schakhara) angebaut werde" (Spiegel 1,491 und 496; St. Martin. „Memoire historique et geographiquesur l'Armenie", Paris 1818; II, 371). Das Werk des Moses vonChorene ist nun allerdings vielfach ungenau und oberflächlich,auch enthält es zahlreiche Einschiebsel deren Alter sich nicht fest-stellen lässt, iind wurde so oft umgearbeitet, dass die jetzt vor-liegende Redaktion, nach v. Uutschmid („Enc. Brit." XVI, 862)wahrscheinlich erst gegen 640 entstanden ist; hierdurch verliertauch jene Erwähnung des Zuckerrohres an Bedeutsamkeit, da siemöglicherweise erst später, — obwohl keinesfalls, wie einige For-scher, z. B. St. Martin, annahmen, erst um 950 —, in den Text