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Geschichte des Zuckers, seiner Darstellung und Verwendung, seit den ältesten Zeiten bis zum Beginne der Rübenzuckerfabrikation : ein Beitrag zur Kulturgeschichte
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Zuckerrohr u. Zucker im europäischen Altertum u. frühen Mittelalter. 87

der Alten zu vergleichen, so ist, zunächst zu bedenken, dass diese,wie schon aus ihrer Fassung hervorgeht, fast ausschliesslich aufdem Hörensagen und auf Berichten aus zweiter oder dritter Handberuhen, und deshalb keineswegs wörtlich zu nehmen sind; nochArrian sagt, fast 500 Jahre nach Alexander dem Grossen („Indi-ca" 4): „über das was jenseits des Hyphasis ist, weiss man nichts Siche-res anzugeben, weil Alexander nicht über diesen Fluss hinausge-kommen ist", und Strabo schreibt (XV, 1, 2 und 1, 4): „Indienist das entlegenste Land, und nur wenige der Unsrigen erblicktenes; aber auch die es erblickten, sahen nur kleine Teile davon, unddas, was sie selbst sahen, haben sie auch nur im Vorüberziehen,und gleichsam im Fluge wahrgenommen; ferner sind die Kaufleutezumeist ungebildet, und taugen nicht zum Erforschen fremderLänder." Zu diesen Schwierigkeiten gesellen sich noch die Ent-stellungen infolge des naturwissenschaftlichen Aberglaubens, demdie Alten in so hohem Masse zugänglich waren.*) Wenn alsoz. B. Plinius und Dioskorides angeben, Sakcharon komme ausIndien und Arabien, so kann letzteres zwar richtig sein, es kannaber auch ebensogut auf einer der so häufigen Verwechslungendes Produktionsortes mit dem Lande des Zwischenhändlers be-ruhen**); die Behauptung, dass Sakcharon als Honig aus Rohrenabgesondert werde, oder überhaupt das Produkt von Rohren sei,kann an und für sich nicht mehr Beanspruchung auf Glauben er-heben, als die Versicherung des Plinius und Dioskorides, Indigosei ein Schaum, und werde von Rohren ausgeschwitzt | „Hist. Nat."XXXV, 27; „Mat. med." V, 107); und ähnlich verhält es sich auchbezüglich anderer Punkte.

Dass es in Indien steinerzeugende Rohre giebt, war den Alten,wie die angeführte Stelle des Theophrast beweist, bekannt; siehaben jedoch ihr Sakcharon niemals mit diesen in Beziehung ge-bracht, oder- als Produkt derselben angesehen. Plinius schildertsogar einen Stein „Syringitis", welcher „den Zwischenknotenstückeneines Halmes ähnlich, und fortlaufend hohl" sei, also immerhinTabaschir vorstellen könnte, ohne seiner Entstehungsweise zu ge-,denken („Hist. Nat." XXXVII, 07). Vom Steine Melitinus be-richtet er (ebd. XXXVI, 33), er gebe einen honigsüssen Saft von

*) Einige treffende Beispiele desselben hat Locky zusammengestellt(„History of european morals-, London 1869; I, 393).

**) Weder Diodor (II, 49) nach Strabo (XVI, 4. 2) erwähnen gelegent-lich ihrer ausführlichen Beschreibung Arabiens und seiner Produkte, unterdiesen Zuckerrohr, Zucker oder Sakcharon; wohl aber preisen sie ArabiensHonigreichtum.