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Geschichte des Zuckers, seiner Darstellung und Verwendung, seit den ältesten Zeiten bis zum Beginne der Rübenzuckerfabrikation : ein Beitrag zur Kulturgeschichte
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Zuckerrohr u. Zucker im europäischen Altertum u. frühen Mittelalter. 85

Namen Terenjabin auch eine flüssige Manna; von anderen, z. B.Serapion (um 1050), wird aber auch die der Tamariske so ge-nannt, die namentlich am Sinai gewonnen wurde, und den mittel-alterlichen Pilgern ein Gegenstand grosser Verehrung war. Soz. B. erzählt Harff (gegen 1500) in seinem Pilgerberichte S. 121:„Die griechischen Mönche am Sinai essen Manna, und leben oftdavon; das ist ein Himmelstau, der fällt alljährlich im Augustund September herab, im Hochgebirg, sechs Meilen weit vomKloster, und sonst nirgends in der Welt", und Bellonius (um1550) sagt in seinen „Observationes* (bei Clusius 129): „AmSinai wird Terenjabin gesammelt, und ist als flüssiger Honig, inThongefässe gefüllt, zu Kairo käuflich; doch erhält man da auchdie feste Manna." Nach Woenig (341ff.) tritt die Tamariske inArabien und am Sinai waldbildend auf. und die saftstrotzendenZweige schwitzen unter dem Stiche der Mannaschildlaus (Coccusmanniparus), besonders im Juni und Juli, die Manna aus; sie wirdvor Sonnenaufgang in Schläuchen gesammelt und als „Man" inden Handel gebracht, wobei einzelne Einwohner oft 2—300 Kilozum Verkauf stellen können. Ob indessen, wie Viele annehmen,diese Manna die der Bibel (Exod. 16, 4—31; Num. 11, 8—9) ist,bleibt fraglich; letztere scheint eher mit der essbaren Flechte Par-melia esculenta*) identisch zu sein, welche, von der Dürre ein-getrocknet, durch Stürme vom Boden losgerissen, vom Winderundgerollt und in die Höhe gewirbelt wird, bis sie als feinerRegen, in kleinen erbsenähnlichen Stücken, an entfernten Ortenniederfällt, (oft in solcher Menge, dass Einzelne 2—3 Kilo davonsammeln können), und wenn sie ungestört bleibt, beim nächstenliegen aufquillt, sich anheftet, und aufs neue weiterwächst (Grise-bach, „Veget." II, 91).**) Dies ist vielleicht auch der Ursprungder „Manna coeli", die, nach dem Berichte des Pilgerfahrers Ricol-dus (gegen 1300), in den Steppen der Kurden oft massenhaft vomHimmel herniederfällt; doch kann man dabei auch an wirklicheManna denken, von der Picolo und Vidaure (1776) erzählen:„Im Frühjahre fällt mit dem Tau eine Art Manna, die fest wird,auf den Blättern der Gesträuche verhärtet, und etwas weniger weissals Zucker, jedoch ebenso süss ist" (Beckmann a. a. O.).

*) Abbildung s'iohe in Kerner's „Pflanzenleben", Lpzg. 1888; I, 519.**) Mittelalterliche Schriftsteller haben mehrfach mit grossem Ernst dieFrage untersucht, warum die biblische Manna keine abführenden Eigenschaftengezeigt habe; sie kommen zum Schluss, dass dies entweder Gott so gewollt,oder dass sie der Engel so bereitet, oder dass der tägliche Gebrauch dieWirkimg aufgehoben habe.