Zucken
Zucker im europäischen Altertum u. frühen Mittelalter. 81
gegen Tabaschir an Stengeln und Blättern ausgesondert, und nachdem Erhärten von diesen wie ein Gummi abgelesen werden könne,ist entschieden ein Irrtum; ebensowenig haben die antiken Schrift-steller die Rohre, welche den süssen Saft, und jene, welche steinigeKonkretionen liefern, verwechselt, denn schon Theophrast („Delapidibus" 38; ed. Didot, 346) spricht ausdrücklich von den „stein-erzeugenden indischen Rohren" (Ritter; Cohn a. a. 0.)
Der Vermutung des Salmasius, dass Sakcharon als identischmit Tabaschir aufzufassen sei, haben sich zahlreiche Forscher an-geschlossen. Nach Humboldt („De distrib." 211 und 213) ver-wechselten die Alten oder deren Berichterstatter Zucker und Taba-schir, weil beide aus Rohren herrühren, und weil vermutlich dieBezeichnung „Sarkarä", die ursprünglich etwas Steiniges, Körniges,Geronnenes bedeutet, anfänglich für Tabaschir in Gebrauch war,und erst später auf den äusserlich ähnlichen Zucker übertragenwurde. Solche Wandlungen stehen nun an sich keineswegs ohneBeispiel da: so geht das Wort ßvaaog (Byssus) in den ersten christ-lichen Jahrhunderten allmählich von dem Begriffe des Leinenszu dem der Baumwolle, und zuletzt in den der Seide über(Sehr ad er, „Linguistisch-historische Forschungen zur Handels-geschichte und Warenkunde", Jena 1886; I, 209 und 212), undbetreff der chemischen Kenntnisse der Alten herrscht, infolge dersuccessiven Bezeichnung verschiedener chemischer Produkte mitden nämlichen Namen, häufig grosse Unsicherheit (Meyer, „Ge-schichte der Chemie", Lpzg. 1889, 10). Für den vorliegendenSpezialfall kann indessen nur der Sprachgebrauch des Sanskrit vonEntscheidung sein; leider äussert sich Lassen über diesen nichtklar und widerspruchfrei; bei der Erwähnung des Rohrhonigs im„Periplus" sagt er (III, 30; erschienen 1858): „Der Name aäx^ttQiist als eine Prakritform des Sanskritwortes carkarä zu betrachten,welches Zucker in Körnern bedeutet; von ihm ist Sakcharon zuunterscheiden, welches der in den Bambusrohren befindliche Taba-schir ist, der auch als Heilmittel dient, und carkarä benannt wurde."Im Band 1, 312ff. (erschienen 1867) heisst es dagegen: „dass derZucker der Alten Tabaschir war, ist nicht wahrscheinlich; carkarä= Tabaschir kommt nie vor", und sodann: „Plinius und Dios-korides meinen mit Sakcharon jedenfalls Tabaschir; vielleichtwandte man früher in Indien carkarä, wie jetzt Sakkar-Mambu,darauf an." Diesen Angaben lässt sich nichts Bestimmtes ent-
von Zuckerrohr der Fall sein, doch ist seine Behauptung unbestätigt, wennsie nicht vielleicht überhaupt auf einem Fehler des Übersetzers beruht.^Lippmiinn, Geschiohte dos Zuokers. '