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Geschichte des Zuckers, seiner Darstellung und Verwendung, seit den ältesten Zeiten bis zum Beginne der Rübenzuckerfabrikation : ein Beitrag zur Kulturgeschichte
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Zuckerrohr u. Zucker im europäischen Altertum u. frühen Mittelalter. 77

"et Tabaschir ebenfalls als der Stärke oder gestossenem Zuckerähnlich, undGuilelmus Piso berichtet in der „Mantissa aromatica"(Amsterdam 1658, 185ff.): „Die jungen, saftigen, angenehm und süssschmeckenden Bambustriebe werden vom Volke gern ausgesaugt;aber bei den älteren Rohren ändert sich die Natur der Flüssigkeit,sie schwitzt allmählich an den Internodien aus, und gesteht in derSonnenhitze zu einer weissen schaumigen Masse, von schwach zu-sammenziehendem, gebranntem Elfenbein ähnlichem Geschmack,welche Sakkar-Mambu, d. i. Bambusstein, heisst. Dies geschiehtjedoch nicht überall*); zumeist erfolgt es in Malabar und Coro-mandel, woselbst dieser Stoff als kostbares Heilmittel gilt undweithin um teures Geld verkauft wird; man benützt ihn inPillenform und als Getränk, gegen hitzige Fieber, Entzündungund Dysenterie, aber auch äusserlich, und zwar in wässerigerLösung."

Spätere Beobachter haben das Ausschwitzen des Saftes nichtbestätigen können, und Tabaschir blos in den Höhlungen derZwischenknoten, und zwar nur bei den weiblichen Rohren vonBambusa arundinacea vorgefunden; die Frage, ob ihn auch andereBambusarten zu erzeugen vermögen, und ob die Ausscheidung einphysiologischer oder pathologischer Vorgang ist, lässt sich noch nichtbestimmt beantworten (Cohn a. a. 0.), jedenfalls wird aber die Masseanfangs in flüssiger oder gallertartiger Form abgesondert, und er-härtet erst allmählich mit der Zeit. Ihre Natur wurde zuerst 1791von Macie und Smithson, an Mustern, die Patrick Rüssel1788 nach London gebracht hatte, untersucht, und die Substanzals fast reine Kieselsäure erkannt; an Tabaschir, welchen Humboldtin einem amerikanischen Bambusrohre fand („De distrib." 210),bestätigten Vauquelin und Fourcroy 1804 die Richtigkeit dieserBeobachtung, indem ihre Analyse 70°/ 0 Kieselsäure und 30°/ 0 Kaliund Kalk ergab. Es wird also vermutlich zunächst eine Lösungkieselsaurer Alkalisalze ausgeschieden, aus welcher, wenn ihr ein,innerhalb der Pflanze vorgehender chemischer Prozess das Alkalientzieht, amorphes Kieselsäurehydrat ausfällt, das dann langsam indie wasserärmere und dichtere Modifikation übergeht; in der Thatfand Poleck (Cohn a. a. 0.) den Tabaschir zu 27°/ 0 in Wasser,und leicht und völlig in Kalilauge löslich, so dass sein Verhaltengenau das der normalen Kieselsäure war, wie sie aus den Lösungender Alkalisilikate durch stärkere Säuren, und selbst durch Kohlen-säure, niedergeschlagen wird: da das Bambusrohr viel Kieselsäure

*) Nach Loureiro („Flora cocliin.'') z.B. niemals jonseits des Ganges.