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Geschichte des Zuckers, seiner Darstellung und Verwendung, seit den ältesten Zeiten bis zum Beginne der Rübenzuckerfabrikation : ein Beitrag zur Kulturgeschichte
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Zuckerrohr u. Zucker im europäischen Altertum u. frühen Mittelalter. 75

In neuerer Zeit hat kein zuverlässiger Botaniker diese An-gaben bestätigt, und man muss, soweit nicht offenbare Verwechs-lungen vorliegen, annehmen, dass dieselben auf Missdeutungenungenauer Wahrnehmungen, oder auf irrtümlichen Schlüssen be-ruhen. Rumph („Herbar.* V, 186 ff.) hält es zwar für möglich,dass das Zuckerrohr, als es noch nicht auf Zucker verarbeitetwurde, und daher älter werden konnte, entweder Zucker ausschwitzteoder ihn krystallisiert in seinem Innern abschied, und dass dieAlten solchen Zucker gesammelt, und die am Boden lagernden, ge-neigten oder geknickten Rohre für Wurzeln gehalten hätten; aberVoraussetzung wie Folgerung sind hier gleich hinfällig, denn vonder Bildung haselnussgrosser Krystalle, wie sie z. B. Plinius be-schreibt, auf solchem Wege, besitzen wir bisher keinerlei Beispiel.Ein genauer und langjähriger Beobachter wie Wray, sagt überdiesen Punkt („The pract." 332): „Die klare, zuckerhaltige Flüssig-keit der Zellen kann unter günstigen Umständen, nämlich beireichem Boden, trockenem Wetter und andauernder Wärme sozuckerreich und gesättigt werden, dass sie an den Zellwändenkleine, aber immerhin deutlich sichtbare Kryställchen abscheidet,welche man die ganze Zellmembran innen rings umkleiden sieht."Sollte etwa Rumph das Gleiche bemerkt und daraus geschlossenhaben, diese Krystalle würden sich beim Altern des Rohres ver-grössern, so wäre auch diese Ansicht vom pflanzenphysiologischenStandpunkte aus unhaltbar, denn das Rohr häuft den Zucker nichtins Ungemessene an, sondern speichert ihn als Reservestoff auf, derzu geeigneter Zeit, z. B. der der Blüte, wieder verbraucht wird.Mit Ausnahme einer unverbürgten Angabe, dass sich im hohlenStamme eines Zuckerahorns einmal fester Zucker ausgeschiedenhabe (Poppe, „Technologisches Lexikon", Stuttg. 1820; V, 824),kennen wir eine derartige Erscheinung auch bei keiner anderenzuckerführenden Pflanze; für den angeführten Fall aber erscheinteine ausreichende Erklärung wenigstens denkbar.

In sehr ausführlicher Weise hat sich Salmasius (ClaudeSaumaise, 1588 —1635) mit der Frage nach der Natur des Zuckersder Alten beschäftigt und die Ergebnisse seiner Forschungen in der„Dissertatio de sacharo" (Utrecht 1679), sowie in mehreren Stellender „Exercitationes Plinianae" (Utrecht 1689) niedergelegt; letztereArbeit enthält eine staunenswerte Menge antiquarischer Gelehrsam-keit, ist jedoch so planlos und mangelhaft angeordnet, und in derWertschätzung der citierten Autoritäten so unzureichend, dass derVerfasser nicht mit Unrecht selbst (II, 943) von „diesem konfusenund unverdauten Sammelwerk" spricht und man beim Studium des-