Zuckerrohr u. Zucker im europaischen Altertum u. frühen Mittelalter. 73
Afer, Lucanus und Aelian vom süssen Safte der Rohre, vomRohrhonig, und allenfalls vom Rohrwein, und wie Eratosthenesund Varro, so lassen auch Solinus und Isidorus diesen süssenSaft aus den Wurzeln der Rohre gewinnen. Als eine Art ge-ronnenen Honigs, an oder im Rohre, sowie an dessen Zweigen oderBlättern verhärtet, betrachten ihr Sakcharon Seneka und Pli-nius, Dioskorides und Galenos, Alexander von Aphro-disias und Isidorus, und diese letzteren sind nicht weiter ge-kommen, als Seneka, indem sie es dahingestellt sein lassen, objener Honig einem himmlischen Taue, oder dem verdickten süssenIflanzensafte selbst seinen Ursprung verdanke. Plinius beschreibtSakcharon als weiss, Aegineta das „indische Salz" als farblosErsterer vergleicht es dem Gummi, letzterer, sowie Dioskoridesund Isidorus, dem gewöhnlichen Salz, während es nach Alexandervon Aphrodisias Schollen bildet, und Plinius es in Haselnuss-.Aegineta in Linsen- oder Bohnen-Grösse kennt; nach Pliniusund Dioskorides ist es fest, zerbrechlich und bröckelig, nachAlexander von Aphrodisias zerfliesslich, nach Dioskoridesin Wasser löslich; den Geschmack nennt Ägineta honigähnlich,jedoch weniger süss als den unseres Honigs, Galenos stimmt ihmdarin bei, die übrigen erwähnen die Süssigkeit des Sakcharonüberhaupt nicht; nach Galenos und Aegineta erregt es keinenDurst, löscht ihn aber auch nicht, und nach dem übereinstimmen-den Urteile beider, sowie des Dioskorides und Alexander vonAphrodisias, bewährt es sich als Heilmittel gegen Krankheitendes Magens, der Nieren und der Gedärme, sowie als fieberver-treibend, und die Trübungen des Auges beseitigend.
Dass diese Beschreibungen weder unter sich vereinbar sind,noch ein Bild ergeben, das mit dem unseres jetzigen Zuckers über-einstimmt, haben schon zur Zeit des Wiederbeginnes der klassischenStudien die- ersten Erforscher und Erklärer der Schriften derAlten erkannt, und es ist seither ein Gegenstand unausgesetzterBemühungen geblieben, die vorhandenen Widersprüche zu beseiti-gen, und die wahre Natur jenes Sakcharon aufzuklären.
Johannes Manardus von Perrara (1462—1536) bemerktein seinen „Epistolae medicinales", einem Kommentar zu Diosko-rides, schon richtig, dass die Alten, wo sie von Sakcharon reden,niemals gleichzeitig den süssen Saft der Rohre erwähnen und um-gekehrt, — so dass sie offenbar zwischen diesen beiden Gegen-ständen keinerlei Zusammenhang erkannten, und das Sakcharonnicht als aus dem süssen Safte gewonnen ansahen; man habe da-her in ihren Berichten zweierlei scharf zu unterscheiden: den aus-