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Geschichte des Zuckers, seiner Darstellung und Verwendung, seit den ältesten Zeiten bis zum Beginne der Rübenzuckerfabrikation : ein Beitrag zur Kulturgeschichte
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Zuckerrohr u. Zucker im europäischen Altertum u. frühen Mittelalter. 71

und die absteigende Destillation gewisser Öle näher kennt*), be-schränkt sich fast ausschliesslich auf Entlehnungen aus Diosko-rides und Galenus (ebd. I, 457; Meyer, „Bot." II, 376). Diezahlreichen Heilmittel in der „Diätetik" des Anthimus (511 — 534)setzen sich gleichfalls, nach galenischer Vorschrift, fast durchwegaus Honig, Honigwasser und Sauerhonig, in Verbindung mit Milch,Meth, Salz und Molken zusammen (Haeser I, 632).

Aus ungefähr derselben Zeit (etwa 547) ist uns die „christ-liche Topographie" des Kosmas Indikopleustes (des Indien-fahrers) erhalten, der in seiner Jugendzeit Kaufmann in Alexandriawar, später Mönch wurde, und sein Werk hauptsächlich abfasste,um den, zuerst vom Kirchenvater Lactantius aufgestellten Grund-satz von der nicht-kugelförmigen Gestalt der Erde, eingehend zubeweisen; seiner Ansicht nach ist die Erde nämlich ein tafelför-miges Parallelogramm, und von Sphären, gleich gewölbten Mauern,ringsum eingeschlossen (Sprengel, „Bot." I, 188; Peschel, „Erd-kunde" 89, mit Abbildung). Kosmas durchreiste Ägypten undÄthiopien, besuchte die Küsten Arabiens, Indiens und Ceylons, undwar mit dem Verkehre nach Hinterindien und den indischen Inselnwohl vertraut; der Seeweg über Ceylon und Java nach China warübrigens damals nicht mehr neu, denn der chinesische Pilger Fahianschlug ihn schon um 400, bei seiner Heimkehr nach China ein,ohne dies als etwas Ungewöhnliches zu bezeichnen. Kosmas be-schreibt zahlreiche arabische und indische Pflanzen, er kennt dieKokospalme und Kokosnuss, sowie deu süssen Palmsaft und denberauschenden Kokoswein, den er mit dem richtigen SanskritnamenRonchosüra benennt, Zuckerrohr oder Zucker führt er jedoch eben-sowenig an wie Ptolemäus (VII, 3) und Strabo (II, 1, 70) beiihrer ausführlichen Schilderung Ceylons, seiner Erzeugnisse undHandelswaren (Lassen III, 313; IV, 883).

In den Werken der Kirchenväter, welche diese, — trotz desTertullianus Ausspruch, „dass Wissbegier nach Jesus Christusund Forschung nach den Evangelien nicht mehr von nöten sei", —zumeist zu umfangreichen, das Gesamtgebiet menschlichen Wissensumfassenden Kompendien auszudehnen bestrebt waren, findet sich,soweit dieselben gesichtet sind, der Zucker nicht erwähnt. Erstbei Isidorus, welcher 636 als Bischof von Sevilla starb, heisstes in den „Origines", einem kritiklos kompilierten, von unsäglichalbernen Etymologieen erfüllten, und nur durch die zahlreichen

*) Erwähnt wird Moschus schon vom h. Hieronymus 393 (Flückiger,*Ke Frankfurter Liste von 1450", Halle 1873, 36).