Zuckerrohr u. Zucker im europäischen Altertum u. frühen Mittelalter.
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Zollhinterziehung, der Angeber einen Anteil erhielt („Pandekten",Digestor. lib. 39, tit. 4). Unter den Erzeugnissen Indiens findetsich hierbei der Zucker nicht genannt, auch wird er unter denindischen Waren der alexandrinischen Zolltarife aus der Zeit derKaiser Marcus Aurelius Antoninus und Commodus nichtaufgeführt (Lassen III, 10); und doch war in jener Periode derVerkehr mit Indien, und vor allem mit Barygaza, dem bedeutend-sten Stapelplatze, ein äusserst reger (ebd. III, 52).
Aulus Gellius, der gegen 180 starb, erwähnt in seinen„Attischen Nächten", einer Sammlung von Anekdoten, Citaten undBetrachtungen über die verschiedensten Gegenstände, den Zuckerebenfalls nicht, obwohl sich hierzu wiederholt Gelegenheit bietenwürde, so z. B. wo er die Satiren des Varro über die, bei be-sonderen Schmausereien vorkommenden, ausgesuchten Genüsse, unddie Würzung des Nachtisches mit Honig und Süssigkeiten be-spricht (VI, 16; XIII, 11), oder wo er erzählt (XV, 25), „dassGnäus Matius, ein kenntnisreicher Mann, in nachfolgenden Verseneiner mimischen Dichtung
„Drum ratsam ist's, das Leben zu versüssen sich,..Und abzuwehren herbe Sorgen durch Vernunft"
zuerst das neue Wort „edulcare" = „versüssen" gebraucht habe"(Übersetzung von Weiss, Lpzg. 1875; II, 297). Auch bei Schilde-rung der verschwenderischen Mahlzeiten des kaiserlichen Hofesnennt er den Zucker ebensowenig wie etwa Sueton, Dio Cassiusund andere Berichterstatter aus der Kaiserzeit; hiermit stimmt esüberein, dass im Kochbuche des Apicius Cölius (um 222), derindische Gewürze in Massen verbraucht, sowie in den Speisever-zeichnissen seines Zeitgenossen Athenäus, welcher Pfeffer, Palm-kohl und andere Produkte Indiens anführt, der Zucker gleichfallsfehlt (Meyer, „Bot." II, 242).*)
Solinus, der gegen 250 einen dürftigen, wegen seiner Kürzein späteren Zeiten sehr beliebten Auszug aus Plinius verfasste,sagt im 52. Kapitel: „Die Sümpfe Indiens erzeugen Rohr von solcherMächtigkeit**), dass die Schüsse zwischen je zwei Knoten als Schiffedienen können; aus den Wurzeln presst man einen süssen Saft vonHoniggeschmack * (Salmasius, „Exercitationes Plinianae", Ut-recht 1689; I, 58,). Bei Alexander von Aphrodisias, der um
*) s. Saalfeld, „Küche und Keller in Alt-Rom", Berl. 1883.**) Einen anschaulichen Begriff derselben giebt dio Abbildung in Kern er s..Pflanzenleben", Lpzg. 1888; I, 674. Siehe auch Diodor II, 17 und StraboXV, 1, 56.