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Geschichte des Zuckers, seiner Darstellung und Verwendung, seit den ältesten Zeiten bis zum Beginne der Rübenzuckerfabrikation : ein Beitrag zur Kulturgeschichte
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Zuckerrohr u. Zucker im europäischen Altertum u. frühen Mittelalter. 67

welcher Erkundigungen bei Leuten einzog, die den Weg nachKattigara, und von da aus nach der Hauptstadt Chinas, selbstkannten (Peschel, „Geschichte der Erdkunde", München 1865,14ff.); auch begab sich im Jahre 165, unter Marcus AureliusAntoninus, eine römische Gesandtschaft dahin (MommsenV, 618),und die chinesischen Annalisten der Han-Dynastie bestätigen derenAnkunft, und bemerken, dass seit jener Zeit der Verkehr mit demWestreiche fortgedauert habe (Richthofen, „China", Berlin 1877;I, 509 und 512; Götz, „Die Verkehrswege im Dienste des Welthan-dels", Sttgt. 1888, 496). Ebenso hören wir auch von indischen Ge-sandtschaften an das römische Reich: Porus richtete eine solchean Augustus*) (Strabo XV, 1, 4 und 1, 73); zur Zeit des KaisersClaudius (41—54) kamen aus Taprobane (Ceylon) vier Bot-schafter, deren vornehmster Rachia (= Radjah) hiess (PliniusVI, 24); in späterer Zeit empfingen noch Gesandte: Trajan (DioCassius LXVIII, 15 und 29; Eutrop VIII, 3), Antoninus Pius(158—181), und Julianus Apostata 362 (Porphyrius, „Deabstinentia" ed. Roehr 356; Ammianus Marcellinus XXII,7, 10).

Trotz dieses andauernd lebhaften Verkehres sehen wir dieKenntnisse des Westens über Indien und seine Produkte kaum zu-nehmen; allerdings fehlen gerade aus der Zeit des vierzigjährigenFriedens, der dem Kriege Hadrians mit den Parthern folgte, undfür Aufschwung und Erweiterung des Handels von grösster Be-deutung war, fast alle Nachrichten (Heeren XII, 395). WasArrian (117—138) in seinen „Büchern über Indien" vorbringt,ist nicht viel mehr als eine Wiederholung und Bestätigung frühererAngaben, z. B. derer des Megasthenes; er kennt den Reisweinund den Saft einer Palme, deren Sanskritnamen „tala" er an-führt („Indica" 7), nicht aber das Zuckerrohr. Sein ZeitgenosseAelian (um 125) erwähnt („Hist. anim." XIII, 8) Wein aus Reisund Rohr (Hehn 438), und erzählt an einer andern Stelle („Var.hist." III, 39) noch, die Inder genössen Rohre; sein Wissen gehtalso nicht über das des Nearchos oder Eratosthenes hinaus.

Die Angabe, dass Statius (um 95 n. Chr.) das Zuckerrohrgekannt habe, ist unrichtig, da an der betreffenden Stelle (I, 15)das Wort „cannas" nur irrtümlich gelesen und gedeutet wurde,

*) Unter der Regierung des Augustus fand auch zu Athen die Selbst-verbrennung eines indischen Brahmanen aus Barygaza statt (Strabo XV,1, 4 und 1,73); Calanus, ein indischer Begleiter Alexander des Grossen,hatte den Griechen schon einmal dasselbe Schauspiel gegeben (Arrian,„Anabasis'- VII, 3).