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Dritter Abschnitt.
I
unter Augustus, allein aus Myos-Hormos am roten Meere, jährlich120 Schiffe nach Indien fuhren (Strabo II, 5, 12; XVII, 1, 14),zuerst bloss nach Barygaza, in späteren Zeiten aber auch an dieMalabarküste und bis Ceylon (Mommsen V, 616 und 618); diesesEiland bildete den Stapelplatz für die Schätze der östlichen Inseln,und die Nennung der Gewürznelken (die bis 1605 allein von denMolukken geliefert wurden) bei Plinius, beweist, wie weit sichbereits damals der Handelsverkehr erstreckte. Die steigendenBedürfnisse des römischen Luxus, die einen Tacitus („Annalen"III, 53) mit Besorgnis erfüllten, waren schon zur Zeit des Pliniussoweit gediehen, dass nach dessen Angabe („Hist. Nat." VI, 26;XII, 41) allein Indien dem Reiche jährlich 50 Millionen Sesterzen,Indien, Arabien und die Serer (Chinesen?, oder ein den Zwischen-handel nach China vermittelndes Volk) zusammen aber jährlichmindestens 100 Millionen Sesterzen (nach heutigem Werte wenigstens25 Millionen Mark) entzogen; alle Waaren wurden hierbei aus-schliesslich baar bezahlt, — was auch die grossartigen Funderömischer Münzen in Indien bestätigen, — und an deren Transport,Vertrieb und Verkauf hatten die Römer selbst keinerlei Nutzen.Was die Preise derselben in Rom betrifft, so hat Beer („Allge-meine Geschichte des Welthandels", Wien 1860—1884; I, 108)berechnet, dass weisser Pfeffer ca. 13 Mark*), schwarzer 5 Mark,Cassia 57 Mark, Cinnamomen und Reis bis 318 Mark pro Kilokosteten, doch sind diese Angaben natürlich nur ganz ungefähre;Plinius sagt, dass die Preise in Rom häufig das Hundertfachedes Ankaufspreises erreichten.
Ptolemäus (87—165 n. Chr.) schildert in seiner „Erdbe-schreibung" Indien ausführlich, und erwähnt auch Barygaza (VII,1, 62; VIII, 26, 2), ohne indes des Zuckerrohres zu gedenken;vielfach folgt er den Nachrichten, die Jambulos, dessen Berichtuns auszugsweise bei Diodor (II, 57—60) erhalten ist, über Indienund die indischen Inseln gab; dieser rühmt die Sagopalme unddas aus ihrem Marke bereitete Brot, sowie den süssen berauschen-den Palmwein, kennt aber das Zuckerrohr nicht (Lassen III, 253ff.).Der Grieche Alexander, dessen Bericht Marinus von Tyrus (um100 n. Chr.) noch besass, erreichte zuerst von Indien aus, zur See,den nächsten chinesischen Hafen, Kattigara; sein Reisewerk istaber leider, ebenso wie die Erdbeschreibung des Marinus, ver-loren gegangen. Die Wahrheit seiner, früher oft bezweifelten An-gabe erhellt indes aus einer Stelle des Ptolemäus (I, 13—17),
*) Lassen (III, 35) berechnet 14 Mark.