Zuckerrohr u. Zucker im europäischen Altertum u. frühen Mittelalter. 65
Aus dem nämlichen Zeitalter ist uns der, früher fälschlichdem Geschichtsschreiber Arrian zugeschriebene „Periplus" er-halten, ein Bericht über die Beschaffenheit der Gestade des rotenMeeres, der Ostküste Afrikas bis Quiloa (10° südlicher Breite)und der Westküste Vorderindiens, in nautischer und merkantilerBeziehung, zumeist auf eigener Erfahrung des Schreibers beruhend,zum Teil aber (z. B. Ceylon und das Gangesdelta betreffend) nuraus eingezogenen Nachrichten geschöpft. Der Verfasser ist einägyptischer Kaufmann („Periplus", ed. Fabricius, Lpzg. 1883, 23),der ausschliesslich von Dingen spricht, die für Schiffer und Kauf-leute von Interesse sind (ebd. 28), und die Namen zahlreicherHandelsartikel nennt, deren Bedeutung er indes als bekannt voraus-setzt; die Zeit der Abfassung fällt nach Dillmann („Berichte derBerliner Akademie" 1880, 413) kurz vor 77 n. Chr. Im 14. Absätzedes „Periplus" heisst es nun: „Ausgeführt werden gewöhnlich auchaus den inneren Gegenden Ariakes und aus Barygaza, .... die injenen Gegenden erzeugten Waren, als Korn, Reis, das GetreideBosmoros, Sesamöl, baumwollene Gewebe, .... Gürtel, und Rohr-honig, das sogenannte Sakchari ([i£h zb xakdfuvov, zb "ley6/.tevor<jäx%aQi)."' Im 49. Absätze, der die Ausfuhrartikel derselben Gegendnochmals aufzählt, wird letzteres Produkt nicht wieder genannt.
Barygaza, jetzt Baroche oder Baroach, an der gegenwärtigversandeten Mündung des Nerbudda in dem Golf von Cambay ge-legen, ist die indische Stadt Barukakkha (Lassen I, 113) oderBhrigugacha (Bohlen I, 18), nach dem Weisen Bhrigu so ge-nannt, und auch von Hiuen-Thsang (II, 154) unter dem NamenBarugatcheva aufgeführt; in reichem offenem Lande gelegen,eine alte Stätte indischer Kultur, und mit dem Inneren vielfachdurch Strassen verbunden, schwang sie sich schon frühzeitig zumAusgangspunkte des lebhaftesten Handelsverkehres mit dem Westenauf (Lassen II, 532 und 544). Zu besonderer Blüte gelangtedieser zu der Zeit des Hippalos, welcher das regelmässige Wehendes nach ihm benannten Südwest-Monsuns, und dessen Benützungzur direkten Fahrt nach Indien, quer über das hohe Meer, ent-deckte („Periplus", Absatz 57; Plinius VI, 26); er-soll zuerstvon Ocelis, an der Strasse von Bab-el-Mandeb, nach Muziris,südlich von Mangalore, übergefahren sein (Humboldt, „Kosmos"H, 203 und 433), und zwar wird dieses Ereignis in, oder kurz vordie Regierungszeit des Kaisers Augustus verlegt. Über denrömischen Handelsverkehr nach dem Osten, besonders in der Rich-tung über Ägypten, liegen im ganzen nur sehr spärliche Nach-richten vor (Mommsen V, 612), doch ist es bekannt, dass, schon
Iiippm (in li, Goschichto des Zuckers. 0