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Geschichte des Zuckers, seiner Darstellung und Verwendung, seit den ältesten Zeiten bis zum Beginne der Rübenzuckerfabrikation : ein Beitrag zur Kulturgeschichte
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Zuckerrohr u. Zucker im europäischen Altertum u. frühen Mittelalter. 61

wachse einRohrvon einer gewissen Süssigkeit*), dessen frische Wurzelngleichfalls süss, nach dem Austrocknen aber ohne Geschmack undNährkraft seien, und dass auf dieses Rohr, welches unmöglichZuckerrohr gewesen sein kann, auch die Stelle jenes Fragmentesanspiele; mit Rücksicht auf den Wortlaut der älteren Berichte desNearehos und Megasthenes, und auf den von Theophrastgebrauchten Ausdruck „Rohrhonig", wird man jedoch mit grosserWahrscheinlichkeit annehmen können, dass er wirklich Zuckerrohrim Sinne gehabt habe.

Athenäus aus Naukratis, der nach Lecky („History of euro-pean morals", London 1869; II, 307) um 228 n. Chr. starb, hatin seinen „Deipnosophisten" ein, von einem römischen Schlemmerund Schöngeist, den Dichtern, Künstlern und Gelehrten aller Fächergegebenes luxuriöses Gastmahl, und dessen, an Speisen und Ge-tränke anknüpfende Gespräche geschildert; in diesem Werke, dessenHauptwert in den Citaten aus fast achthundert, seither meist ver-lorenen Schriftstellern besteht, hat er uns auch (V, 6—8) die Be-schreibung eines unter Ptolemäus Philadelphus (283—247 v.Chr.) in Alexandria veranstalteten Aufzuges zur Feier der Diony-sien erhalten, dessen Kosten etwa neun Millionen Mark betrugen.Eine besonders glänzende Gruppe desselben stellte des BacchusRückkehr aus Indien dar, und war mit den seltensten fremdenTieren und allen Schätzen dieses Landes „zu hunderten vonPfunden" ausgestattet; als solche werden Weihrauch, Kokosnüsse,Cassia, Zimmt, Ebenholz, Elfenbein, Gold- und Silberstaub aufge-zählt; Zucker oder Zuckerrohr wird jedoch nicht genannt (Meyer,„Bot." I, 207; II, 199; Sprengel, „Geschichte der Botanik",Lpzg. 1817; I, 97).

Bei Eratosthenes, dem grossen alexandrinischen Geographen,finden wir, nach einer, bei Strabo (XV, 1, 20) erhaltenen Stelle,die vermutlich dem Onesikritos folgt, die Mitteilung: „JJas vonder Sonne erwärmte irdische und himmlische Wasser lasst inIndien viele Baumfrüchte spriessen, und auch Wurzeln von Ge-wächsen, besonders von grossen Rohren, die süss sind tpvmt xcä m™>d. h. sowohl an sich, als auch eingekocht". Man kann vermuten,dass unter den „Wurzeln" die Schafte der Rohre, oder gebeugteund niederliegende Rohre zu verstehen seien, könnte aber auch an-nehmen, dass das Citat für die Anwendung des Feuers «B Kon-zentrieren des Saftes beweisend sei; die angeführte übliche UDer-

*) Auch Galenos (131-200 n. Chr.) gedenkt desselben noch („De simpl.media facult." 4, 14).