Druckschrift 
Geschichte des Zuckers, seiner Darstellung und Verwendung, seit den ältesten Zeiten bis zum Beginne der Rübenzuckerfabrikation : ein Beitrag zur Kulturgeschichte
Entstehung
Seite
60
Einzelbild herunterladen
 

60

Dritter Abschnitt.

und ein grösseres Material zur Begründung der physischen Erd-beschreibung dargeboten worden sei. Nearchos nun und One-sikritos, die Feldherren Alexanders, sprechen zuerst davon, „dassin Indien ein Schilf Honig hervorbringen soll, ohne Beihilfe vonBienen", und dass ein Getränk daraus, obwohl das Gewächs nichtfruchtbringend sei (d. h. obwohl der Saft nicht, wie sonst üblich,aus den Früchten gewonnen würde), doch berauschend wirke(„Fragmente" VIII, 61; in Strabo's „Erdbeschreibung" XV, 1, 20).Megasthenes, der, wie bereits erwähnt, gegen 300 v. Chr. mehr-mals als Gesandter nach Indien kam, und als unbedingt genauund glaubwürdig zu betrachten ist, berichtet in den uns erhaltenenBruchstücken seiner „Vier Bücher über Indien" fast mit denselbenWorten über „die süssen Rohre, die nicht von Bienen erzeugtenHonig enthalten" („Fragmente" IX, 410; Lassen II, 681).

Aristoteles (384—322 v. Chr.) erwähnt in seiner Natur-geschichte, deren auf die Botanik bezüglicher Teil übrigens fastganz verloren ist*), das Zuckerrohr nicht, und auch sein SchülerTheophrast (371—286 v. Chr.), der Schöpfer der wissenschaft-lichen Pflanzenkunde auf aristotelischer Grundlage, führt in seiner„Historia plantarum" (ed. üidot, Paris 1866; IV, 11 und 13) nurdas „indische Rohr" (Bambus) an, das am Flusse Akesines (jetztChanab), einem Nebenflüsse des Indus im Pendschab, wachse, undStenge] von mächtiger Grösse treibe, deren weibliche hohl, derenmännliche fest seien, und zur Anfertigung von Speeren dienten.In einem Fragmente dagegen (ebd. S. 492) sagt Theophrast,dass der Ursprung des Honigs ein dreifacher sei: entweder ausBlumen und allem anderen Süssen, oder aus dem Tau der Luft,der an heissen Tagen durch die Sonne verdickt, herabfallt, oderaus gewissen Rohren; unter der zweiten dieser Gattungen haben wirzweifellos den Honigtau der Eichen und Linden zu verstehen, —den jedoch derselbe Forscher an anderer Stelle („De causis plan-tarum" IV, 15) als Folge einer, durch überschüssige Feuchtigkeitveranlassten Pflanzenkrankheit auffassfc, — unter der dritten Gattung,flihi y.akdf^uvov, den Saft des Zuckerrohres. Allerdings ist hier-gegen noch der Einwand erhoben worden, dass Theophrast in„De causis plantarum" VI, 16, angiebt, in den Ebenen Ägyptens

*) Di« bis zur Zeit des grossen Kritikers J. C. Scaliger (1484—1558)dem Aristoteles zugeschriebenen Bücher „über die Pflanzen'' sind unecht,und von Nicolaus Damascenus zur Zeit des Kaisers Augustus verfasst(Meyer, „Bot." I, 329; Zeller, „Orundriss der Geschichte der griechischenPhilosophie". Lpzg. 1886, 150.