DRITTER ABSCHNITT.
Zuckerrohr und Zucker im europäischen Alter-tum und frühen Mittelalter.
In der ältesten zuverlässigen Beschreibung Indiens, die unsaus dem klassischen Altertume erhalten ist, der des Herodot(489—425 v. Chr.), wird die wunderbare Herrlichkeit dieses unddes arabischen Landes mit Begeisterung geschildert (III, 106 — 115),und des Reichtums jener Gegenden an seltenen und kostbarenErzeugnissen gedacht; als solche werden Gold, Weihrauch, Myrrhen,Cassia, Zimmt, Ledanum, Räucherwerk, Ebenholz, Reis u. dergl.,sowie an einer anderen Stelle (VII, 65) baumwollene Kleider undBambus aufgezählt, — zum Teil natürlich bloss nach dem Hören-sagen. Die genannten Produkte deuten darauf hin, dass Herodotnur Nachricht über die westlichen Teile Indiens empfangen hat(Lassen II, 636), und da in diesen das Zuckerrohr zu so frühenZeiten noch unbekannt war, so lässt sich sein Stillschweigendarüber leicht erklären.
Der Grieche Ktesias, welcher lange Jahre hindurch dieStelle eines Leibarztes des Perserkönigs Artaxerxes Mnemon be-kleidete, erwähnt in den uns erhaltenen Fragmenten seines um 416v. Chr. verfassten Berichtes, welcher durchaus nicht so lügnerischist, als man früher annahm, gleichfalls einige indische Produkte,darunter sehr süssen Wein (vermutlich Palmwein), und verschie-dene Arten Rohr, besitzt aber keine Kenntnis vom Zuckerrohre(Lassen II, 566, 641, 646, 647).
Der frühesten Kunde desselben begegnen wir erst in den,leider nur zum kleinsten Teile auf uns gekommenen Schriften derBegleiter Alexander des Grossen auf seinem indischen Feldzuge(327 v. Chr.), über dessen Bedeutung Humboldt (»Kosmos" II,186) aussagt, dass in keiner anderen Zeitepoche, die Erschliessungdes tropischen Amerikas ausgenommen, auf einmal einem Teile desMenschengeschlechtes eine reichere Fülle neuer Naturansichten,