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Geschichte des Zuckers, seiner Darstellung und Verwendung, seit den ältesten Zeiten bis zum Beginne der Rübenzuckerfabrikation : ein Beitrag zur Kulturgeschichte
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54 Zweiter Abschnitt.

„Wohin nian's bringt, die Süssigkeit wird doch vom Zuckerrohr bewahrt:„Nicht weicht der Edle, auch in Not, von seiner guten Sinnesart."

„Die Süssigkeit ist sehr verschieden heim Rohr, bei Milch, und andren Dingen;„Doch kann selbst nicht die Redegöttin durch Worte dieszum Ausdruck bringen."

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„Es schmeckt der Halm vom Zuckerrohr, zerschnitten auch, süss wie zuvor:„Der Edlen angeborne Art bleibt wandellos im Tode auch bewahrt."

Das Alter dieser Sprüche, die Fritze's Auswahl aus der grossenSammlung Böthlingk's entlehnt sind (Lpzg. 1880; 8, 53, 59), lässtsich nicht feststellen, auch wird in dergleichen Versen der Honigmindestens ehenso oft wie der Zucker erwähnt; in „Sakuntala"und „Urvasi", den beiden Dramen Kalidasa's (deutsch vonMeier, Hildb. 1870, und Lobedanz, Lpzg. 1873), wird sogar desZuckerrohres oder des Zuckers niemals gedacht, während von Honig,süssem Kuchen, Backwerk und süssem Getränke oft die Rede ist.Man kann jedoch hieraus keinen weiteren Schluss ziehen, weil dasZeitalter des Kalidasa noch völlig ungewiss ist; innere sprach-liche und kulturhistorische Gründe lassen auf das 2. bis 4. Jahr-hundert n. Chr. schliessen (Weber 221; Lassen II, 1172), nacheinigen Berichten war er ein Zeitgenosse des Königs Kumära-däsa, der von 501—510 n. Chr. regierte (Lassen IV, 302), undnach anderen zählte er zu den, als den „neun Edelsteinen" be-rühmten Weisen und Dichtern am Hofe des Königs Bhoja vonMälava, als dessen Lebenszeit eine Inschrift die Jahre 1040—1090n. Chr. angiebt (Weber 218).

Der hohen Verehrung und Schätzung, in der, wie angeführt,das Zuckerrohr stand, und seiner Verwendung bei religiösen undabergläubischen Zeremonien, dürfte auch sein Übergang in dieHeilkunde, und die grosse und übertriebene Anpreisung seinermedizinischen Eigenschaften zuzuschreiben sein. Über Ursprungund Geschichte der indischen Medizin sind wir leider noch wenigunterrichtet; in der vedischen Zeit hatte sie sich zwar emsigerPflege zu erfreuen, und Krankheiten, sowie heilige Kräuter werdenin mehreren Liedern erwähnt, es lässt sich indessen nicht viel Be-stimmtes daraus entnehmen, und eine überlieferte Litteratur hatsich damals nicht gebildet (Weber 32).

Die Werke, aus denen wir gegenwärtig unsere Kenntnisseüber die indische Heilkunde schöpfen können, gehören erst einemrelativ sehr späten Zeiträume an; dem uralten Ruhme derselbenentsprechend, — sollen doch nach Arrian („Indica" 15) indischeÄrzte schon dem Heere Alexander des Grossen angehört