Die Heimat des Zuckerrohres und der Rohzucker-Bereitung. 53
der Sack kennt die Schwere des Syrups", d. h. »nur der Leidendekennt seinen Schmerz" (ebd. 141).
Zucker in den verschiedenen Stadien seiner Zubereitung, spieltauch in den Sitten und Gebräuchen Indiens eine grosse Rolle (ebd.135, 342 ff., 362ff.). Bei Geburten, Hochzeiten und Begräbnissenwird Zuckerrohrsaft bald allein, bald mit Wasser und mit Milch,oder Zuckerwasser genossen; Reis mit Zucker und geklärter Butter,Milchreis mit Zucker, und Speisen aus Mehl, Gewürzen und Zucker,werden in Form von Kugeln oder flachen Kuchen zubereitet, undin Thonschüsseln von gewisser althergebrachter Form aufgetragen.Besonders bei Hochzeiten werden die Gäste mit Zuckerwasser,Syrup, süssen Speisen und Kugeln von Zuckerwerk und gezuckertemReis bewirtet; der Bräutigam bereitet sich Zuckerwasser aus einemBrocken Zucker, den die Braut so lange in der Hand hält, bis er feuchtist, oder den sie mit den Zähnen zerbeisst, auch werden auf Kopf,Schultern, Hände, Knie und Füsse der Braut Zuckerbrocken gelegt,die der Bräutigam, ohne die Hände zu gebrauchen, allein mit demMunde abessen muss. Zucker und Zuckerspeisen werden ferner alsHochzeitsopfer dargebracht, und die rituelle Vorschrift, dass beiOpfern nur brauner Zucker angewandt werden darf, beweist gleich-falls, dass allein dieser das ursprünglich heimische indische Produktist, während der gebleichte Zucker nicht als solches angesehen wurde.
Wie die Methoden zur Darstellung des Zuckers, so reichenauch diese Arten seiner Anwendung jedenfalls in weit entlegeneZeiten zurück, da sich z. B. Heiratsgebräuche der beschriebenenArt schon in den „Sutras" vorfinden, und alles in diesen Vorgetrageneseine Ausbildung bereits in der vorhergehenden Periode der Brah-mana erreichte („Ind. Stud." V, 267ff., 281 und 298ff.); zu den,vor der eigentlichen Hochzeit stattfindenden Feierlichkeiten gehörtauch hier die Bewirtung der Gäste, zu welcher der Vater der Brautsüsse Speisen, der des Bräutigams Zuckerwerk in Figuren vonviereckiger Gestalt beiträgt; es werden süsse Getränke kredenztund der Bruder der Braut geniesst, in Gemeinschaft mit dem Ge-sinde, Ghee (zerlassene Butter) und Guda (Zucker, Zuckerwerk); dienämlichen Gegenstände werden auch den Göttern als Opfer dar-gebracht.
Das Zuckerrohr selbst blieb stets in hoher Wertschätzung,die sich zum Teil noch bis auf den heutigen Tag erhalten hat(Ainslie, „Materia medica" I, 408); bei Festlichkeiten wurde esan den Altären der Götter niedergelegt, der Geringe überreichtees dem Oberen als Zeichen seiner Verehrung, und die Weisenmachten es zum Gegenstand sinniger Sprüche, z. B: