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Zweiter Abschnitt.
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I
stimmte Tag ist ein Feiertag, weil an ihm der Gott Vishnu vonseinem viermonatliclien Schlafe erwacht sein soll; beim Heran-bringen des ersten Rohres flicht man daraus einen Kranz, stelltfünf Rohre vor einem eigens hierzu dienenden Götterbilde auf, bespritztdieses mit Wasser, zerschneidet die Rohre, und presst sie als dieersten aus; den Saft giesst man zur Hälfte über das Idol, bringtden Rest in die Kochpfanne, und lässt ihn dort mit geweihtemReise sieden (ebd. 55). Die, jetzt im Aussterben begriffene alteheimische Rohrmühle (Abbildung ebd. 47), besteht aus einem aus-gehöhlten Baumstamme mit keulenförmigem Holzstempel, welchermit der Hand, oder durch einen, mit verbundenen Augen arbeiten-den Büffel umgetrieben wird*) (ebd. 50); sie heisst kol oder kolhu,und ist meist Eigentum mehrerer, die sie abwechselnd wochen-weise benutzen. Das zerschnittene Rohr wird mit der Hand ein-gesteckt, und nach dem Pressen durch den Büffeltreiber wiederherausgezogen; der Saft, ras, kachras, oder kancho-ras genannt,fliesst aus einem Einschnitte, der, wie jeder Teil der Mühle, seinenEigennamen hat, zunächst in einen Korb oder ein Thongefäss mitsiebartig durchlochtem Boden ab, und gelangt von da aus in eingrösseres irdenes Gefäss. Hierauf wird er im Siedehause (golaur,guraur) in einem irdenen oder metallenen Kessel auf freiem Feuereingekocht, unter Umrühren mit einem Löffel abgeschäumt, mittelsteines irdenen Gefässes in einen Topf ausgeschöpft, und aus diesemin flache Löcher des Lehmbodens am Flur, oder in niedrige Thon-schüsseln gegossen. Die eingekochte Masse heisst räb oder räwa,und nach dem Erstarren gür; man kann sie zu flachen Kuchen,chäki, oder zu kleinen Kugeln, bheli, formen. Die weitere Reini-gung, bei der jeder Arbeiter, jedes Gerät, und jeder Vorgang, seinebesondere Bezeichnung trägt, geschieht durch Füllen der Rohmassein Säcke oder Matten, und Belasten mit grossen Steinen; der ab-fressende Syrup heisst sirä oder chhoa, der zurückbleibende Zuckersakkar oder sankar, und nach dem Trocknen khaür oder bhüra(= brauner Zucker). Zuweilen wird dieser noch weiter gereinigt,indem man ihn auflöst, die Lösung (ras) durch geflochtene Körb-chen, die in gelochten Töpfen stecken, filtriert, den filtrierten Saft(räs-ke-räs) einkocht, den Schaum (mail) abnimmt, die eingedickteMasse in flache hölzerne oder irdene Schüsseln füllt und sie er-starren lässt, oder sie auf Matten oder Tücher giesst, und in dieSonne zum Trocknen stellt. Die Melasse und die Syrupe füllt manin Häute oder Lederschläuche, woher das Sprichwort rührt „nur
*) Ein schönes Modell einer solchen Pressmühle befindet sich in derindischen Abteilung des Museums für Völkerkunde zu Berlin.