Die Heimat dea Zuckerrohres und der Rohzucker-Bereitung. 51
Form, die auch heute noch nur in Nordindien üblich ist, scheintkeine einheimische, indische Erfindung zu sein. 3) Hart krystal-lisierter Zucker, in einzelnen grossen Krystallen oder zusammen-hängenden Stücken, Khanda geheissen; dieses Wort, das ursprüng-lich Syrup bedeutete, ging allmählich auf teilweise krystallisiertenund getrockneten Syrup, später auf Zuckermehl, zuletzt auf festenStückzucker über, welcher indes, wie das um 1400 n. Chr. abge-fasste Lexikon „Medini« beweist, vor 1300 n. Chr. in Indien nicht,oder kaum bekannt war. Wenn man daher, aus Schriften älterenDatums, khand zuweilen mit Kandis übersetzt findet, so beruhtdies auf Missverständnis, und es ist in der Regel Syrup oder Me-lasse gemeint.
Über das eigentliche fabrikatorische Verfahren bei der Zucker-darstellung scheinen Berichte aus altindischen Quellen nicht vor-zuliegen; angesichts des unendlich konservativen Charakters derInder, und besonders der indischen Landbevölkerung, kann mansich jedoch mit einiger Wahrscheinlichkeit an das noch heute Üb-liche halten, um daraus auf die Vorzeit rückzuschliessen.
Nach Reed („The History etc.«, 111 ff.) geschieht das Ein-kochen des gesammelten Saftes über freiem Feuer, in dünnen, flachenoder halbkugeligen Thonpfannen, und die erstarrte syrupreicheMasse heisst Goor. Gewisse Leute kaufen diesen zusammen undreinigen ihn weiter: Durch Füllen des Goor in Matten oder Säcke,und Auspressen durch Gewichte, Steine, oder Schlingen mit dreh-baren Querhölzern, kann man etwa 30—40°/ 0 Syrup entfernen,und erhält einen reineren Zucker, Khaur; bespritzt man diesen ein-oder zweimal mit Wasser, und presst ihn wieder ab, so verbleibenetwa 50°/ 0 desselben als feiner Khaur oder Nimphool, welcher,da er nicht gänzlich getrocknet werden kann, immer noch feuchtund zerfliesslich ist.
Ausführlichere Angaben enthält Grierson's „Bihär PeasantLife", welches auf den gründlichsten, jahrelangen Studien des Ver-fassers, während seines Aufenthaltes in Bihär am Ganges, beruht.Nach Grierson bestehen für die zahlreichen Rohrarten, ihre Teileund verschiedenen Entwicklungsstadien, für die Geräte zum An-bau und zu jeder der drei üblichen Bewässerungen der Äcker, fürRohrbündel verschiedener Grösse, endlich für das abgeerntete, vor-geackerte, gepflügte, bepflanzte und brachliegende Zuckerrohrfeldbesondere Eigennamen (S. 167); das Pflanzen des Rohres ge-schieht unter genau vorgeschriebenen Zeremonien (ebd. 398), undendet mit dem Einstecken von fünf langen Rohren inmitten desFeldes. Der Schnitt beginnt Anfang November, und der dazu be-