Druckschrift 
Geschichte des Zuckers, seiner Darstellung und Verwendung, seit den ältesten Zeiten bis zum Beginne der Rübenzuckerfabrikation : ein Beitrag zur Kulturgeschichte
Entstehung
Seite
50
Einzelbild herunterladen
 

y

50

Zweiter Abschnitt.

■

hätte man damals schon den festen Zucker gekannt; sodann sagtHiuen-Thsang, welcher Indien in den Jahren 624—645 bereiste,ausdrücklich, „eine Hauptnahrung der Inder besteht in Kuchenaus geröstetem Mehl, mit Milch, Sahne, Butter, Senf, Syrup, oderfestem Zucker gewürzt" (I, 92), und bemerkt ferner (I, 105), dassman in Gändhära, am Oberlaufe des Indus, viel Zuckerrohr pro-duziere, und daraus festen Zucker bereite, den er mit dem chine-sischen Worte Chimi (= Steinhonig, verhärteter Honig) benennt.Da trotz des, seit mehreren Jahrhunderten andauernden Verkehreschinesischer Buddhistenpilger mit Bengalen,' der feste Zucker umdiese Zeit den Chinesen nachweislich noch neu war, so dürfte seineErfindung zwischen die Jahre 300 und 600 n. Chr. fallen, undzwar wahrscheinlich näher gegen den letzteren Zeitpunkt zu; viel-leicht ist vom eingehenden Studium der chinesischen Pilgerberichte,die gegenwärtig noch wenig erforscht sind, wie für manche andereFragen der indischen Chronologie, so auch für die vorliegende,genauere Aufklärung zu erwarten.

Vom zubereiteten Zucker lassen sich nach Lassen (I, 317ff.)wesentlich drei Formen nachweisen: 1) roter, roher Zucker, auseingekochtem geronnenen Safte, durch nachheriges Zerkleinern undSieben der Masse bereitet, guda oder gula genannt, was anfänglichnur den gekochten Saft bezeichnete; der rohe ungereinigte Safthiess phänita oder phäni, der nach dem Filtrieren eingekochteRohsaft, und später auch der beim Einkochen desselben entstehendeRohzucker, matsjandi. Die Lexikographen Amarasinha undHemakandra (lebte um 1174 n. Chr.) erklären phänita und mats-jandi als Arten des Khanda; Khanda selbst bedeutet ursprünglichetwas Hartes, Festes, war auch der Name einer Gattung Zucker-rohr, und bezeichnete besonders dessen Stengel, daher der oben ausdem „Rämäyana* angeführte Ausdruck „ixukandarasa", wörtlich„Zuckerrohr-Stengel-Saft" zu übersetzen ist; in Beziehung auf dieZuckerbereitung umschreiben die Lexikographen kanda mit „mad-hudhuli" = „noch nicht ganz reiner Zuckersyrup", woraus sichals eigentliche Bedeutung „körniger Honig, Honigstaub" ergiebt,indem der, längere Zeit gestandene und auskrystallisierte Roh-syrup, dem festgewordenen Honig verglichen wird. 2) Zucker ineinzelnen kleinen Krystallen, Mehlzucker, carkarä (= Steinchenbildend) genannt; zur Zeit des Amarasinha ?und Hemakandrawurde dieses Wort, das anfänglich auch nur den verdichteten Saftbezeichnete, durch „sitö-palä" (= weisse Steinchen) erklärt, worauszu entnehmen ist, dass man damals schon gebleichten Zucker inlosem Zustande kannte; die Bereitung des Zuckers in letzterer