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Geschichte des Zuckers, seiner Darstellung und Verwendung, seit den ältesten Zeiten bis zum Beginne der Rübenzuckerfabrikation : ein Beitrag zur Kulturgeschichte
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Zweiter Abschnitt.

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Indien« und Chinas in keiner Weise bestätigt; auch scheinbar ganzbestimmte geschichtliche Nachrichten, z. B. dass Bonifacius vonMontferrat den Mais im Jahre 1204 aus Syrien nach Europa ge-bracht habe (Michaud, „Histoire des croisades", III, 333), be-ruhen auf Irrtum, indem das Wort „Meligo" nicht Mais, sondernden grosskörnigen Sorghum bedeutet. Auf Amerika als die Heimatdes Maises, weist indes nicht nur seine allgemeine Verbreitung imNorden und Süden, seine Benennung mit einheimischen Namen inallen dortigen Sprachen, und seine Verwendung zu religiösen Zere-monien hin (Decandolle 315), sondern auch das Fehlen derStammform und des wilden Maises, sowie die grosse Mannigfaltig-keit der Spielarten. Besonders im Osten Nordamerikas zeigt derMais merkwürdige Wandlungen und ein hohes Akklimatisations-Vermögen, indem sich z. B. in Canada, der gegebenen Vegetations-zeit entsprechend, seine sonst so lange Entwicklungsperiode aufweniger als drei Monate verkürzt; in Europa schlagen diese Formenvon mittlerer Lebensdauer stets wieder zurück, ähnlich wie derchinesische Bergreis, der in kaum drei Monaten reift, und die Beis-und Maisarten der 3400 Meter hohen Alpenthäler Kabuls undAfghanistans, deren Anbau in Europa nicht gelingt (Grisebach;„Veget." I, 249, 336, 429; „ Abb.." 300, 306). — Die angeführten That-sachen, sowie Decandolle's Versicherung, dass die gesamte Pflanzen-geographie kein Anzeichen für die vorgeschichtliche Verbindungder alten und neuen Welt innerhalb der jetzigen Erdperiode liefere,erbringen in unzweifelhafter Art den Beweis, dass das Indigenatdes Zuckerrohres in Amerika unbedingt zu verwerfen ist; seinjetziges, allgemeines Vorkommen daselbst ist jedoch eines derglänzendsten Beispiele dafür, dass eine Pflanzenart ein sehr engbegrenztes Vaterland haben, trotz lein aber später einen ungeheurenVerbreitungsbezirk erlangen kann (Decandolle 372).

Das Zuckerrohr trägt zwar reichliche und völlig entwickelteBlüten*), bis in die neueste Zeit wurde aber angenommen, dasses apogam sei, d. h, die Fähigkeit, reifen Samen zu produzieren,verloren habe; dass hieran der fortgesetzte Anbau und die Ver-mehrung durch Stecklinge, welche die Samenerzeugung für diePflanze nutzlos mache, schuld sei, wie Decandolle, Macfadyenund Cohn („Beiträge zur Biologie der Pflanzen 1 ' IV, 365) an-führen, braucht man indessen nicht anzunehmen, da es unter den

*) Getreue und vorzüglich kolorierte Abbildungen des Zuckerrohrs undseiner Blüten finden sicli bei Hooker, „Botanical Miscellany", Lond. 1830,Tafel 26; Hayne „Officinelle Pflanzen" IX, 30 und 81; Nees von Esen-beck 33—35; Bentley and Trimen 298.