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Zweiter Abschnitt.
solche, die jetzt von manchen Botanikern schon als selbständigeArten betrachtet werden, z. B. das chinesische Zuckerrohr (Sacha-rum sinense). Botanischen Gründen zufolge wird man also dieHeimat des Zuckerrohrs in Indien suchen müssen, und zwar deutetdas Vorkommen fast sämtlicher wilder Sacharum-Arten in Ben-galen, von vornherein auf diese Provinz, deren uralter einheimischerName, Gaura oder Gäudä, von guda (= Rohzucker) abgeleitet ist,deren Bewohner sich Pundra (= die vom roten Zuckerrohr)nennen, und welcher, wegen der unerschöpflichen Fruchtbarkeitihres tropischen Klimas, seit jeher der Name „Garten Indiens"beigelegt wurde (Lassen I, 173 und 267).
In der That darf man die Nordküste des indischen Meerbusens,von der Mündung des Ganges und Brahmaputra bis an die Ab-hänge der Gebirge Assams hin, sowie das Gebiet des Himalaya inweitestem Sinne, als eines jener mächtigsten Schöpfungszentren be-trachten, an denen die Natur, den günstigsten und zugleich mitder Höhenlage wechselnden Bedingungen des Pflanzenlebens ent-sprechend, die höchste Mannigfaltigkeit der Formen geschaffen hat(Grisebach, „Abhandlungen zur Pflanzengeographie"; Lpzg. 1880,291); zählt doch die Flora Indiens nicht weniger als 20 000 aus-schliesslich dort heimische Arten (Grisebach, „Veget." II, 64).
Die Wasserdämpfe, die, ohne einen Tropfen über den heissenEbenen zu verlieren, aus dem indischen Meere und dem offen gegen-über liegenden bengalischen Meerbusen herbeigeführt werden, ent-laden sich an den Grenzen der östlich vorgelagerten Bergland-schaft, um die üppige Kraft der Vegetation in diesen entlegenenRegionen zu stützen, und kehren dann, in reissende Waldbächeverwandelt, zum Delta der grossen Ströme zurück, um, aufs neueverdunstet, durch die Lüfte getragen, zu Wolken gesammelt, inGüssen niedergestürzt, diesen ewigen Wechsel zu wiederholen. DerAustausch kalter und warmer Luftschichten, die aus der Höhe desschneebedeckten Himalaya herabsinken und aus der Tiefe empor-steigen, und der nie versiegende Vorrat an Wasserdampf, der ausder unerschöpflichen Quelle des Meeres stammt, ist eine zu jederJahreszeit fortdauernde Ursache zur Wolkenbildung; in ewig feuchterWärme, nicht umgeben von heiteren Frühlingslüften, sondern untertrüben Nebeln geborgen, wächst eine prächtige Vegetation empor,mannigfaltig in ihren Formen, reich in ihren Farbentönen, dieErzeugnisse gemässigter und tropischer Klimate vereinend, underfüllt von den seltensten und zartesten Bildungen (Hooker undThomson, „Flora indica" I, 180; Grisebach, „Veget." II, 40ff.).
Als Erzeugnis solchen reichen Pflanzenlebens haben wir uns.