ZWEITER ABSCHNITT.
Die Heimat des Zuckerrohres und der Roh-zucker-Bereitung.
Baptista Porta, der grosse neapolitanische Gelehrte (1539■—-1615), dem die Optik, die Physik, sowie die allgemeine Natur-forschung gleich wichtige Arheiten verdankt, dürfte zuerst in seinemWerke „Phytognomika" die bestimmte Behauptung ausgesprochenhaben, dass jede Pflanze einen gewissen Verbreitungskreis besitze,dessen Mittelpunkt als ihre Heimat anzusehen sei (Meyer, „Ge-schichte der Botanik", Königsberg 1854; IV, 441). Diese An-schauung teilt im Ganzen die heutige Wissenschaft, wenn sie auchPorta's Erklärung, die Pflanze sei an jenem Mittelpunkte durchUrzeugung entstanden, oder entstehe sogar noch auf diese Weisedahingestellt sein lässt.
Nach Grisebach („Die Vegetation der Erde", Lpzg. 1872;II, 515) kann man den Entstehungsort einer Pflanzenart als denvollkommensten Ausdruck der Übereinstimmung zwischen den phy-sischen Lebensbedingungen und ihrer Organisation betrachten; dennmit dieser Anpassung an gegebene Einflüsse der anorganischen Naturist das höchste Mass ihrer Erhaltungsfähigkeit, welche doch dasLeben anstrebt, gegeben. Auf diese Vorstellung stützt sich dieFolgerung, dass, je näher die Zentren verschiedener Pflanzen geo-graphisch gelegen sind, und je weniger daher ihre klimatischenBedingungen abweichen, desto ähnlicher auch ihre Organisationwerden musste, oder, was dasselbe ist, desto mehr Arten innerhalbderselben Gattung entstehen konnten.
Nun ist es nach Decandolle („Origine des plantes cultivees", /Paris 1883, 122) .und Miquel („Flora Indiae batavae" 1855; III, '511) unzweifelhaft, dass sämtliche wilden Arten der Gattung Sacha-rum, — vielleicht mit Ausnahme einer einzigen —, Indien ange-hören; ebendahin weisen aber auch sämtliche Varietäten des eigent-lichen Zuckerrohres (Sacharum officinarum) zurück, und zwar selbst