Der Honig.
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Eine ebenso wichtige Rolle wie bei den Opfergebräuchenspielt der Honig, als dessen Spender an die Bienen der „Rigveda"(I, 112) die Aswinas (die Dioskuren der Inder) preist, auch imsonstigen Zeremoniell. Honig dient zu den heiligen Waschungen-(„Ind. Stud." XV, 174), „meine Zunge rede Honig" ist eine stehendeGebetsformel (ebd. X, 133), und „wer Tag um Tag in den Ge-setzen studiert, sättigt dadurch die Götter mit Milchspenden undHonig, und sie sättigen ihn wieder mit allen Glücksgütern" (ebd.X. 114). Beim Brauttrunk und Brautschmaus, deren Feier schon,in die indogermanische Zeit zurückgeht, bereitet der Vater derBraut den Gästen einen festlichen Empfang, wobei Madhuparka,d. i. ein Gemisch von Milcb, Butter und Honig, herumgereichtwird (ebd. V, 267 und 411). Mit Milch, Honig und Wasser werdendie Leichen der obersten drei Kasten begossen (ebd. X, 25); demFrommen, besonders dem Brahmanen, ist während der Fastenzeit,oder wenn er als Lehrer wirkt, der Honiggenuss verboten (ebd. X,62 und 123); die erste Speise eines Kindes soll Honig*) mit saurerMilch und Butter sein (ebd. XV, 45), und das Neugeborene be-grüsst der Vater mit den Worten:
„Honigseim reiche ich dir zum Fest,
„Von Savitar, dem Gabonreichon, gespendete Gabe;
„Mit Alter gesegnet, von der Gottheit beschützt,
„Lebe hundert Herbste in dieser "Welt",
und flösst ihm dabei dreimal eine Mischung von Milch, Wasser,Butter und Honig aus einem goldenen oder silbernen Löffel ein(ebd. XV, 41). Den Edelmetallen wird hierbei der Besitz wunder-barer, kräftigender und stärkender Eigenschaften zugeschrieben,sowie die Fähigkeit, die Wirkung des Trankes zu erhöhen; Milchund Honig aber gelten als göttliche Spende, und werden in den Vedenoft als solche erwähnt. So heisst es „Rigveda" III, 62, 16: „Mitraund Varuna, begiesset mit Sahne unser Feld und mit Honig dieLüfte"; I, 157, 2: „betaut mit Milch und Honig die Flur"; I, 87, 2:„giesset euren Verehrern honigströmende Sahne herab"; honig-farbig, honigfliessend, honigträufelnd u. dergl., sind überhaupt stän-dige Bezeichnungen der höchsten himmlischen Gaben.
In den indischen Epen wird auch der süsse Honig der Axika(Morinda tinctoria) genannt, welcher Jugend, Gesundheit und Un-sterblichkeit verlieh, und von Giftschlangen in der Waldwildnisgehütet wurde (Lassen I, 1025); auch unter den Geschenken,
*) Dieser Brauch ist auch ein altgormanischer (Kuhn 122); abor dieSlawen kennen diese und ähnliche Sitten ebenfalls, und namentlich die Süd-slaven üben sie noch gegenwartig (Bessler 214).