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Erster Abschnitt. Zur Vorgeschichte des Zuckers.
Folgen mit sich, deren Sühnung durch besondere Bussübungen zuerfolgen hatte (ebd. 72 und 118). Das Opferzeremoniell war einsehr verwickeltes, und von der Einfachheit der ursprünglichenHonigspende, die noch das uralte indische Gesetzbuch des Manumit dem Sömaopfer zusammen nennt („Ind. Stud." XV, 66), führtejedenfalls nur ein langer Entwickelungsweg zur Mannigfaltigkeitder vedischen Vorschriften. Bei der Darbringung der grossen Opferverlangte das Ritual („Ind. Stud." XIII, 223) einen besonderen Altar-bau in Vogelgestalt, die Anfertigung einer flachen thönernen Feuer-schüssel, und einer Schildkröte als Symbol der Tragkraft; dieSöma-Ranken wurden entweder in einem viereckigen Holzmörsermit runder Keule zerstampft, oder zwischen mit Leder überzogenenPressbrettern, unter wiederholtem Befeuchten mit Wasser, durchAuflegen grosser Steine mehrmals ausgepresst („Ind. Stud." X, 371).Die Reinigung des Saftes erfolgte, wie bei der Spende des Surä(eines gegohrenen Getränkes aus Reis und anderen Körnerfrüchten,mit Gewürzen, Kräutern und Honig) erst mittelst eines groben, ausRohr geflochtenen Klärsiebes, dann, in einem hölzernen Gefässe,durch Ausschöpfen mittelst eines feinen Haarsiebes (ebd. X, 349).Das Ausgiessen des Söma auf den Altar geschah aus einem hundert-fach durchlöcherten Kruge; die oben erwähnte Schildkröte wurdedabei mit Milch, Butter und Honig gesalbt, und zugleich das Erd-reich mit einem aus Milch, Honig, Kucagras, und fünf StückchenGold bestehenden Tranke benetzt (ebd. XIII, 251 und 277).
In Indien selbst kam das eigentliche Sömaopfer schon früh-zeitig ab, vielleicht weil die echte Somapflanze nur im Hochgebirgewächst*); die indischen Epen erwähnen nichts mehr von seinerFeier, und das Gesetzbuch des Manu hält sogar die Verkäuferdes Sömatrankes (dessen Genuss, unter veränderter Zusammen-setzung, nie ganz ausser Gebrauch kam) für verächtlich; denBrahmanen war derselbe verboten (ebd. X, 62), und beim Opferwurde er durch Milch, später durch Wohlgerüche und Blumenersetzt (Lassen II, 439). Auch der reine Begriff des Söma ver-lor sich. Die Somapflanze Asclepias acida wurde zum Sinnbild desMondes, Asclepias gigantea zu dem der Sonne, weshalb sie auchden Namen arka = Sonne führte (Bohlen „Das alte Indien"Königsberg 1830; I, 185); da der Mond als Speise der Götter galt,bezeichnete Söma auch diese, und wurde schliesslich zur allgemeinenNaturessenz umgestempelt, die, als Mark und Wesen aller Dinge,auch in den Ewigen selbst wirkt („Ind. Stud." V, 178).
*) Strabo (XV, 1, 58) meldet noch, in Indien werde Dionysios (Söma)nur auf den Bergen verehrt.