Druckschrift 
Geschichte des Zuckers, seiner Darstellung und Verwendung, seit den ältesten Zeiten bis zum Beginne der Rübenzuckerfabrikation : ein Beitrag zur Kulturgeschichte
Entstehung
Seite
25
Einzelbild herunterladen
 

Der Honig.

25

dieses Wasser wird ausdrücklich als Meth bezeichnet, und verliehWeisheit und Kraft, weshalb Wotan für einen Trunk von dem-selben sein eines Auge verpfändete (ebd. 114 ff., 117, 173). AnStelle des Baumsaftes trat allmählich der Saft eines sich um dieBäume rankenden Schlinggewächses, welches bei den Eraniern undIndern nicht mehr identisch war (ebd. 227, 106), und schliesslichder Saft von Asclepias acida und Sarcostema viminalis; seit jeherwurde indes der Sömasaft durch Zusätze von anderen Stoffen,namentlich von Honig, versüsst und in Gährung gebracht (ebd.106, 142, 227; Humboldt, „Kritische Untersuchungen über diehistorische Entwicklung der geographischen Kenntnisse von derneuen Welt«, Berlin 1852; I, 506).

Dass Honig und Meth den Indogermanen zur Zeit des all-mählichen Überganges zum Ackerbau bekannt waren, ist schonoben erwähnt worden; die Tradition nennt noch die Heroen, welcheden Ackerbau erfanden (Lassen, „Indische Altertumskunde"*) I967), für dessen hohes Alter vor allem das Wort krishti = Mensch,abgeleitet von krish = pflügen, spricht; doch haben wir uns injener Zeit die Indogermanen nicht als völlig sesshafte Ackerbauervorzustellen, sondern wesentlich als Viehzüchter, die mit ihrenHeerden wanderten, und das Land, da wo sie verweilten, bebauten(ebd. I, 966). Dem Meere waren sie fremd, und blieben dies bistief in die geschichtliche Zeit hinein (Zimmer, „ Altindisches Leben",Berl. 1879, 21 und 256); ihrer Sprache sind die bei den Indernund Eraniern gemeinsamen Worte für Kochen und Backen ent-lehnt (Spiegel I, 426), und sie waren wohlbekannt mit dem Ge-brauche des Feuers; über den himmlischen Ursprung desselbenbesassen sie eine Sage, die sich noch in der griechischen Mythewiederspiegelt (Prometheus, gebildet aus pramätha = rauben, ansich reissen), und in innigem Zusammenhange mit der Herabkunftdes Göttertrankes steht (Lassen I, 940; Kuhn 18).

Von den Göttern soll man zuerst Agni, dem Herrn des Feuers,einer der drei indischen Hauptgottheiten, Opfer dargebracht haben,und zwar ausgelassene Butter (Ghrita), was auf die ursprünglicheHirtenvolk-Natur hinweist**) (Lassen I, 898); das wichtigste undbedeutsamste Opfer der arischen Indier und östlichen Eränier waraber das, besonders dem höchsten Gotte Indra geweihte Söma-

*) Band I und II, 2. Auflage Lpzg. 1867 und 1874; Band III und IV.,1. Auflage, Lpzg. 1858 und 1861; der Anhang, Lpzg. 1862, ist als Band Vzitiert.

**) Das Sanskritwort für Tochter, Duhitri, bedeutet bekanntlich „dieMelkende".