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Erster Abschnitt. Zur Vorgeschichte des Zuckers.
Die griechische Heilkunde, die vielfach aus orientalischen undspeziell aus ägyptischen Quellen schöpfte (Haeser I, 164), wiesgleichfalls dem Honig eine führende Rolle zu; Hippokrates(geb. 460 v. Chr.), der erste und berühmteste Arzt des altenGriechenlands, soll zuerst feste Regeln für dessen Gebrauch auf-gestellt, und ihn als wichtigstes Heilmittel betrachtet haben. SeineSchriften „de affectionibus" und „de victu" führen zahlreicheMittel an, die aus Honig in Verbindung mit Salz, Wein, Essig,Wasser, Most und gekochtem Most bestehen, und deren nichtweniger als 265 seiner Erfindung zugeschrieben werden; zumDanke für diese Wertschätzung des Honigs, sollen sich Bienen inseinem Grabmal angesiedelt, und daselbst Honig von besondererHeilsamkeit erzeugt haben.
Demokritos, der Zeitgenosse des Hippokrates, hatte vomHonig keine geringere Meinung als dieser; auf die Frage, wieman, gleich ihm, über hundert Jahre alt werden, gesund bleiben,und seine Tage verlängern könne, antwortete er: „Innerlich durchHonig, äusserlich durch Ol" (Athenaus II, 47); einige Jahr-hunderte später konnte der hundertjährige Pollio Romilius demKaiser Augustus auf dieselbe Frage die nämliche Antwort er-teilen (Plinius XXII, 114).
Für besonders wichtig erklärte Hippokrates das Honig-wasser und den Sauerhonig, eine Mischung von Honig, Wasserund Essig (Haeser I, 161); derartige Getränke wurden noch Jahr-hunderte hindurch nach seinen Vorschriften bereitet und benutzt,bis sie endlich, nach zahlreichen Verbesserungen und Vervollkomm-nungen, aus dem Gebiete der Heilkunde in das des täglichen Lebens,zuletzt in das des Luxus übergingen. Die fortdauernde Verwen-dung des Honigwassers, des einfachsten und ursprünglichsten süssenGetränkes, in der Medizin, und, wie wir früher sahen, bei reli-giösen Handlungen, liefert übrigens einen neuen Beweis für denSatz, dass an veralteten und in Vergessenheit geratenden Formen,Glauben und Aberglauben am längsten festhalten; dem letzterenverdankt aber die Heilkunde aller Völker nicht den kleinsten Teilihrer Mittel.
Eine lange Reihe von Honiggetränken verzeichnet Dioskori-des; er kennt Hydromel, aus Honig und Wasser oder Meer-wasser („Materia medica" V, 17 und 20); Mulsum, aus altemWein und viel Honig ohne, oder nur unter schwacher Gährungbereitet (ebd. V, 16); Meth, durch starke Vergährung von Honig,Most und Salz gewonnen (ebd. V, 15); Oxymel, durch Aufkochenvon Honig, Wasser, Essig und Salz hergestellt (ebd. V, 22); endlich