-J.
10
Erster Abschnitt. Zur Vorgeschichte des Zuckers.
II'
und sonder Gefahr kannst du vorbeischlüpfen." Auch die Schlangeim Heiligtunie der Pallas Athene bekam monatlich einen Honig-kuchen; als die Athener während der Perserkriege auf Vorschlagdes Themistokles die Stadt verlassen sollten, galt es als Zeichengöttlicher Zustimmung, dass die Schlange zum ersten Male denKuchen unverzehrt stehen liess. (Herodot VIII, 41).
Pin dar (522—450 v. Chr.), der grosse griechische Lyriker,vergleicht im dritten nemeischen Siegesgesange v. 130 (Über-setzung von Donner, Leipzig 1860) sein Lied einem perlendenTranke aus Milch und Honig:
„Ich sende dir hier
Den Honigseim, gesellt zu der reinen
Milch, o Freund; der schäumende Thau umkränzt ihn."
und im elften olympischen Gesang verspricht er (v. 140):
Die Stadt der Lokrer,
Die blühende, mit Honig zu bethauen"
d. h. sie im süssen Liede zu preisen. In seiner vierten pythischenHymne v. 96 erwähnt er „die delphische Biene", womit die Prie-sterin Pythia gemeint ist, und erinnert so an die uralte Beziehungder, wegen ihrer Reinheit heilig geachteten Biene zum Kultus derDemeter; denn schon in grauer Vorzeit verband man mit denBienen und dem von ihnen gelieferten Honig die Idee der unschul-digen und reinen Nahrung, der Göttergabe und Götterspeise, wiedenn auch der Nektar nur ein himmlischer Honig genannt wird.So erklärt sich die Verwendung des Honigs zum Totenopfer, undzur Besänftigung des Pluto, der Hekate und der Erinnyen,so die Bedeutung der Biene im Kultus der Ceres und der Pro-serpina:
„Mancher, von solchem Beweise geführt, und solcherlei Beispiel,Lehrte, dass in den Bienen ein Theil des göttlichen GeistesWohn', und ätherischer Hauch . . . ."
singt Virgil in seinem Gedichte über den Landbau (IV, 220); undebenda (I, 344) heisst er der Ceres opfern:
„Waben des Honigs, zerlassen in Milch, und in Süsse des Bacchus."Sein sizilisches Heimatsland, von welchem schon Homer(„Odyssee" IX, 109) sagt:
„Alles gedeiht da von selbst, nicht der Saat noch dos Pflügens bedürftig"
schildert Theokrit (um 265 v. Chr.) in der fünften Idylle v. 46mit den Worten (Übersetzung von Mörike, Stgt. 1855):„Herrlich singen da rings um die Honigkörbe die Bienen"und bestätigt es so als Mutterland der Bienenzucht; Honig als