Druckschrift 
Geschichte des Zuckers, seiner Darstellung und Verwendung, seit den ältesten Zeiten bis zum Beginne der Rübenzuckerfabrikation : ein Beitrag zur Kulturgeschichte
Entstehung
Seite
5
Einzelbild herunterladen
 

Der Honig.

mit religiösen Ideen, indem in deren erregender und berauschenderKraft das eingreifende Walten der Gottheit, und das Hereinwirkenüberirdischer Macht gesehen wird (s. Mantegazza, „Quadri dellanatura umana", Mailand 1871).

Den Völkern indogermanischer Zunge, welche indes keineswegsauch in leiblicher Hinsicht von einem einzigen Urvolk, den Ariern(ärya = der Ehrenwerte) abstammen, (Mantegazza, „Indien"235; Le Bon, „Les civilisations de l'Inde" 83), war zur Zeit ihresÜbergangs aus dem rein fleischessenden, mit der Würze des Salzesnoch unvertrauten Zustande, — in welchem sie in das Licht derGeschichte eintreten —, zu dem des primitiven Ackerbaues, deraus wildem Honig bereitete Meth schon bekannt. Auf diese früh-zeitige Verwendung des Honigs weisen auch sprachliche Gründehin: nach Max Müller („Das Denken im Lichte der Sprache",Leipzig 1888, 371 und 472) gehört zu den etwa 120 Urbegriffendes arischen Denkens, wie sie aus den, an Zahl ungefähr 1000 be-tragenden Wurzeln der arischen Sprache hervorgehen, auch derBegriff „süss, schmackhaft machen (werden)", Süd = „versüssen"(ebd. 591), Sväd = „süss machen, würzen" (ebd. 576 und 592).Süss mag ursprünglich „gutriechend" bedeutet haben, und scheinteines der ältesten Composita zu sein, die sich in den arischenSprachen erhalten haben, wofern es aus su = gut und der Wurzelad = schmecken oder riechen besteht, welche letztere möglicher-weise mit ad = essen zusammenhängt; es findet sich svädü imSanskrit, wie im Griechischen rjdvg, im Lateinischen sua(d)vis, imGotischen süts, im Englischen sweet (ebd. 283). Für Meth be-sitzt nach Geiger („Geschichte der menschlichen Sprache undVernunft", Stuttgart 1868; II, 164 ff.) das Sanskrit das Wortmadhu, das Altslawische med, das Litauische medus, das Grie-chische f.iid-v, — welches später die Bedeutung Wein gewann.

Man kann vermuten, dass Meth auch das Urgetränk der inEuropa einwandernden Indogermanen war*), und sich als solchesbei den im Osten angesiedelten Stämmen am längsten erhielt(Hehn, „Kulturpflanzen und Haustiere in ihrem Übergänge ausAsien nach Griechenland und Italien", Berlin 1877). In Griechenlandtauchen noch Spuren eines der Weinzeit vorausgehenden Honig-trankes auf: Antimachos aus Kolophon lässt in seiner „Thebais",deren Sagen in höheres Altertum als die der „Ilias" hinaufreichen,

*) Neuerdings mehren sich die Stimmen, welche eine solche Einwan-derung ganz in Abrede stellen, und die Indogermanen als in Europa autochthonbetrachten.