Erster Abschnitt. Zur Vorgeschichte des Zuckers.
1
i
k
sein, dass diesen Stoffen von fast allen Völkern, die ihren Genusskennen und würdigen lernten, eine tiefere Bedeutung beigemessenwurde. Dem Germanen z. B. galt das Salz als belebend und er-nährend, als geistiges Prinzip und als Bild geistiger Kraft undNahrung; die „Edda" meldet, dass die Götter am Anfange derUrzeit von der Kuh Audhumbla aus Blöcken salzigen Eises hervor-geleckt wurden, welche aus der Gegenwirkung von Frost, Hitze,Feuer und Eis entstanden waren, und in Übereinstimmung hiermitberichtet auch Tacitus, nach deutschem Glauben sei das Salz„ex contrariis inter se elementis, igne atque aquis, indulgentianuminis concretum", d. h. aus den feindlichen Elementen Feuer undWasser, durch Allvaters Zulassung, verdichtet worden (Simrock,„Deutsche Mythologie", Bonn 1876, 19). Die Salzquellen galtenals heilig, und waren nach Tacitus („Germania" 20; „Annalen"XIII, 57), Plinius (XXXI, 39), Strabo (VI, 5, 11), undAmmianus Marcellinus (XXVIII, 5) häufig Gegenstand er-bitterter Streitigkeiten zwischen den einzelnen Stämmen. Auchzahlreiche christliche Gebräuche erinnern an die Heiligung desSalzes: so vor allem die Sitte, Täuflingen Salz in den Mund zugeben, um sie vor der Gewalt des Bösen zu schützen (s. Weltzerund Weite, „Kirchenlexikon" X, 668, Artikel Taufe), eine Ge-wohnheit, welche Le Grand d'Aussy („Histoire de la vie priveedes Francois", 1782, neu aufgelegt Paris 1815; II, 194) als eineursprünglich burgundische bezeichnet, die aber allerdings in. ähn-licher Weise auch von heidnischen Völkerschaften, z. B. denMongolen, geübt wird (Ratzel III, 374). Salz, besonders ge-weihtes, gehört überhaupt zu den schärfsten Mitteln gegen dieKraft des Teufels, und wird von diesem ingrimmig gehasst; werz. B. beim Hexensabbat die Worte Gott, Christus, Maria oderSalz ausspricht, ist auf der Stelle verloren, und wird von denbösen Geistern in Stücke zerrissen (Scherr, „Deutsche Kultur-und Sittengeschichte", Leipzig 1887, 380).
Wenn nun der Honig gleichfalls und in verwandter Art zureligiösen Vorstellungen in Beziehung trat, so wirkte hierbei,ausser den bereits angeführten Gründen, noch ein Umstand vonbesonderer Wichtigkeit mit, nämlich die berauschende Kraft desgegohrenen Honigwassers, welche, angesichts der Wertschätzungder Naturvölker für Honigbrühe (z. B. Ratzel II, 92), jedenfallsschon zu sehr früher Zeit durch Zufall, etwa durch längeresStehenbleiben einer wässerigen Honiglösung, entdeckt worden seindürfte. Denn bei allen Völkern und zu allen Zeiten steht derGebrauch und Genuss der gegohrenen Getränke in enger Verbindung