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2 Erster Abschnitt. Zur Vorgeschichte des Zuckers.
Salz zu opfern, und auch das alt-griechische und -römische Ritualbestimmt, dass Opfertiere ohne Salz, Feldfrüchte stets mit Salzdarzubringen seien. (Bunge, „Lehrbuch der physiologischen undpathologischen Chemie", Leipzig 1887, 109 und 113; „Zeitschrift fürBiologie" X [1874], 111.)
Überall finden wir die Einführung des Salzgebrauches mitdem Übergange zum Ackerbaue Hand in Hand gehend; dass dieindogermanischen Sprachen noch kein gemeinsames Wort für Salzbesitzen, ist in dieser Hinsicht ein wichtiges Anzeichen.
Ahnlich wie mit dem Salze verhält es sich nun wohl auchmit dem am leichtesten zugänglichen, und von der Natur infertigem Zustande dargebotenen Versüssungsmittel, dem Honig. DieVorliebe für diesen steht in direktem Verhältnisse zur Masse derpflanzlichen Nahrung, und je durchgreifender diese zur Geltungkommt, desto mehr tritt auch das Begehren nach Honig odersüssen Pflanzensäften hervor. Sitten und Gewohnheiten der Völker,wie sie sich z. B. in Klemm's „Allgemeiner Kulturgeschichte derMenschheit" (10 Bde., Leipzig 1843 — 1852) und in Ratzel's„Völkerkunde" (3 Bde., Leipzig 1885) aufgezeichnet finden, liefernreichhaltige Beweise zur Bestätigung obiger Behauptung: DieVölker Afrikas jenseits der Zambesi-Wasserscheide, die von Erd-nussmehl, Maniok und Lotsa leben, betreiben die Honiggewinnungauf eifrigste Weise (Ratzel I, 365); am mittleren Zambesi, woAckerbau die Hauptbeschäftigung ist, wird Zuckerrohr gebaut(ebd. I, 384); die Manganja am Njassa, eines der im Ackerbauvorgeschrittensten Völker Innerafrikas, durchziehen das Land weitund breit, um wilden Honig zu suchen (ebd. I, 401), wobei sie sichdes Honigdachses (Ratelus capensis) und des Honigvogels (Indicatormajor) in geschickter Weise zu bedienen wissen (s. Brehm, „Tier-leben", Leipzig 1886; I, 277). Die Bongo und Djur, die im oberenNilthale ausgebreitetem Ackerbaue obliegen, sowie die Kongo- undAngola-Neger, die fast ausschliesslich verschiedene Pflanzenmehlegemessen, sind nach Livingstone fleissige Bienenzüchter (Ratzel,1, 489 und 587), ebenso auch die Harrar, die Bebauer des frucht-baren Somalilandes (ebd. I, 425). In Adamaua im Westsudan,wo nach Barth die Erdmandel das Hauptnahrungsmittel bildet,wird Zuckerhirse gebaut und Honig in Massen verzehrt (ebd. III,268); dasselbe gilt für die getreidebauenden Gegenden Madagascars(ebd. II, 506), und Abessiniens (ebd. III, 243).
Die Australneger, die fast nur von gewissen Bohnen und Erd-wurzeln leben, schätzen Honig und Honigwasser so hoch, dass siebehaupten, dies sei die Speise der Engel (ebd. II, 92); in Polynesien,