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Geschichte des Zuckers, seiner Darstellung und Verwendung, seit den ältesten Zeiten bis zum Beginne der Rübenzuckerfabrikation : ein Beitrag zur Kulturgeschichte
Entstehung
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ERSTER ABSCHNITT.Zur Vorgeschichte des Zuckers.

Der Honig.

Der Übergang von der ausschliesslichen Pleischnahrung zumregelmässigen Genüsse pflanzlicher Lebensmittel, dessen Zeitpunktbei den meisten Völkern weit hinter aller geschichtlichen Erinnerungzurückliegt, bei einigen indessen durch Tradition, bei anderen selbstdurch beglaubigte Nachricht überliefert ist, bezeichnet nicht nuran und für sich einen der wichtigsten und folgenreichsten Fort-schritte menschlicher Kultur, sondern ist auch durch die von ihmausgehenden weiteren Anregungen von hoher Bedeutung. Diereizlose Nahrung des Mehlkornes erregt das Verlangen nach einerwürzenden Zukost, und was auf der einen Seite das Salz ist, derkonzentrierteste Stoff seiner Art, das bietet auf der anderen derSpeisevorrat des Bienennestes. (Lippert, „Kulturgeschichte derMenschheit", Stuttgart 1886; I, 621.)

Das Verlangen nach Salz ist ein physiologisch tief begründetes:der hohe Kaliumgehalt der pflanzlichen Nahrung erfordert das imKochsalze enthaltene Chlor zu seiner Ausgleichung. Zu allenZeiten und in allen Ländern kennen daher diejenigen Völker,welche von rein animalischer Nahrung leben, das Salz entwedergar nicht, oder verabscheuen es, wenn sie es kennen lernen, wäh-rend die vorherrschend von Vegetabilien sich Nährenden, das leb-hafteste Bedürfnis darnach tragen, und es als unentbehrlichesLebensmittel betrachten. Scheinbare Ausnahmen, z. B. das geringeoder gänzlich mangelnde Verlangen der Reis-verzehrenden Völkernach Salz, bestätigen diese Regel, da der Reis etwa 20 mal wenigerKalium enthält, als die Getreidearten oder die Kartoffel. — Der an-gedeutete Zusammenhang zwischen Pflanzennahrung und Salz-bedürfnis spricht sich auch in uralten religiösen Vorschriften aus;das mosaische Gesetz befiehlt ausdrücklich, alle Pflanzengaben mit

Lippmann, Geschichte des Zuckers. 1