Vorrede.
IX
ja vielfach selbst die zu diesem nötigen Vorkenntnisse gegen-wärtig noch vermissen; zum mindesten haben mir hervor-ragende Vertreter der wichtigsten Zweige orientalistischerForschung, deren Rat und Auskunft ich erbat, übereinstimmendmitgeteilt, dass ihnen in dieser Hinsicht nicht mehr bekanntsei, als was die grossen Handbücher von Lassen, Spiegel,und v. Kremer sagen, und dass sie mir, da der Gang ihrerWissenschaft jene etwas ferner liegenden Gebiete noch kaumflüchtig berührt habe, weder einzelne Schriftsteller nochSammelwerke zu nennen vermöchten, auf die sie mich betreffnäherer Belehrung verweisen könnten. Der Verfasser der„Kulturgeschichte des Orients zur Zeit der Chalifen", v. Kremer,wohl der grösste Kenner der in Frage stehenden Verhältnisse,äussert sich hierüber in einem Briefe vom 15. Dezember 15
mit den Worten: „Die sonst so reiche orientalische Litteraturist gerade in allem was Handel, Industrie, und Technik be-trifft, sehr mangelhaft; dies empfand ich schon als ich meineKulturgeschichte schrieb, und leider habe ich bisher nichtsgefunden, was diese Lücken ergänzen, und die dort gegebenenDaten wesentlich vervollständigen könnte." Unter diesen Um-ständen blieb mir, wollte ich den chronologischen Gang meinerDarstellung nicht vollständig unterbrechen, bloss ein einzigesAuskunftsmittel übrig: ich musste die einschlägigen, oft sehrumfangreichen Werke, im einzelnen selbst durchstudieren,und aus ihnen alles das ausziehen, was für die Behandlungmeines Gegenstandes von Belang erschien. Selbstverständlich. konnte ich mich nicht mit den arabischen, persischen, oderindischen Originalwerken, sondern nur mit den, von einerAnzahl der wichtigsten derselben vorhandenen Übersetzungenin die europäischen modernen oder antiken Kultursprachenbefassen; wenn aber schon ein berühmter Orientalist, Barbierde Meynard (in seiner Ausgabe des Massudi, Bd. IX, Vorr.S. 4) schreibt: „trotz des Fortschrittes der morgenländischenSprachforschung stehen wir den Texten noch häufig so gegen-über, wie die ersten Herausgeber zur Zeit der Renaissancedenen der Klassiker; was vorliegt lässt uns ermessen was nochfehlt, und macht unser Vorgehen in vieler Hinsicht zu einemzaghaften", — so müssen sich dem Laien, wenn er solchen