208 r )ie portugiesische Thronfolge.
finden kann. Es kann hiev keineswegs »von einem Gelangen zurErbschaft in einem andern fremden Reiche« die Rede sein. Diebrasilianische Krone ist keineswegs (im gewöhnlichenSinne des Wortes) eine fremde. Brasilien bildete bis zvi seinerUnabhängigkeitserklärung einen integrirenden Theil des portugie-sischen Staatenkomplexes, es war kein Ausland, sondern einportugiesisches Kronland, wie schon der Titel des Kron-prinzen »Prinz von Brasilien« beweist. Der Staatsakt, durch welchenPortugal und Brasilien zwei von einander unabhängige Reichewurden, ist als eine Theilung der bis dahin vereinigtenKrone der portugiesischen Gesamuitmonarchie an-zusehen. Da der Fall einer solchen Theilung in keinem derfrüheren Gesetze berücksichtigt ist, so können diese Gesetze in demvorliegenden Falle nicht zur Anwendung kommen, derselbe mussvielmehr lediglich nach den speciell dabei festgesetzten Normen undnach der Natur der Sache beuftheilt werden.
Die Miguelisten betrachten jenen Vertrag, wodurch Joäo VIdie Unabhängigkeit Brasiliens anerkannte, als das Hauptargumentgegen die Successionsfähigkeit Dom Pedro's. Wir müssen daherauf diesen Vertrag näher eingehen.
Alle Versuche Joäo's VI, Brasilien wieder mit der Krone Por-tugal zu vereinigen, scheiterten an dem Unabhängigkeitssinn derBrasilianer. Nach dreijährigen vergeblichen Verhandlungen ent-schloss sich daher der König, unter englischer Vermittelung die Un-abhängigkeit Brasiliens anzuerkennen. Sir Charles Stuart wurdemit der Vermittelung beauftragt, er traf Ende März 1825 in Lissa-bon ein. In den Konferenzen zu Lissabon vom 5 April bis zum23 Mai 1825 hatte man fortwährend die zwei Punkte als feststehendbetrachtet:
1) dass Joäo VI die Souveränität über Brasilien seinem SohneDom Pedro abtrete;
2) dass dem Prinzen Dom Pedro sein Thronfolge-recht in Portugal unverletzt erhalten werde.
In den Patentbriefen an seine ehemaligen brasilianischen Un-terthanen, welche Joäo VI dem englischen Vermittler Sir CharlesStuart bei seiner Abreise nach Rio Janeiro übergab, wurde dasSuccessionsrecht Dom Pedro's von seinem Vater auf das unzwei-deutigste anerkannt:
»Und was die Succession in die beiden Kronen, die