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Aus der Praxis des Staats- und Privatrechts
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202 Die portugiesische Thronfolge.

licher und unabhängiger Gesinnung. Allein obgleich diese Ver-treter mit der Vollmacht ihres Wahlkörpers versehen waren, wur-den sie doch zurückgewiesen und die betreffende Munizipalitätbefehligt, neue Deputirte zu wählen '). Viele Städte blieben 1111-vertreten, welche nach dem alten portugiesischen Staatsrechte einVertretungsrecht hatten, andere, die nie ein solches gehabt hatten,wurden willkürlich in diese sog. drei Stände aufgenommen ; es nah-men Leute an dieser Versammlung Theil, welche nie ein Mandaterhalten hatten und damit diesem Trauerspiel auch die Komiknicht fehle, unterschrieb sich ein Mönch als Vertreter der StadtGoa in Indien, obgleich die Wahlen erst am 3 Mai ausgeschriebenwaren, das Assento aber bereits am 11 Juli unterzeichnet wurde.Ebenso mangelhaft waren die beiden andern Stände vertreten, vonKlerus und Adel fehlten viele der ersten und vornehmsten Män-ner; dafür erschienen die blinden Anhänger des Usurpators, uu-eingedenk ihres Eides, den sie kurz vorher ihrem legitimen Königgeleistet hatten. Seihst der Bischof von Visen, welcher diese sog.Kortes am 22 Juni mit einer Hede eröffnete, in welcher er »dieunbestreitbaren Rechte Dom Miguels auf die Krone«proklamirte, hatte Dom Pedro mehrfach als seinem legitimen Mon-archen gehuldigt und ihm als Bischof und l'air den Kid der Treuegeleistet. Dieser Prälat und Joseph Accursio das Neres waren dieSeele der miguelistischen Usurpation. Accursio das Neres warfsich in jener Versammlung zum Advokaten Dom Miguels auf undsuchte in einer Rede »meditado temperamento« die angeb-lichen Hechte Dom Miguels juristisch zu begründen.

Obgleich der ausgesprochene Zweck jener Versammlung war,die Frage endgültig zu entscheiden: »Wer ist der legitime Königvon Portugal« l so wurde nicht einmal zur Aufrechthaltung desScheines Dom Pedro geladen, vor diesem Tribunal zu erscheinenoder ihm ein Prokurator bestellt; ja es fand nicht einmal eineeigentliche Berathung über diese wichtige Frage statt.

Schon am 2j> Juni erklärten die sog. drei Stände Dom Pedro IVseines Thronrechts für verlustig und Dom Miguel für den recht-mässigen König, worauf derselbe am 30 Juni diesen Bcschluss dersog. Kortes sanktionirte und die königliche Würde annahm.

*) Injuste acclamatioii p. 31.