•2l)() Die portugiesische Thronfolge.
Minister kontrasignirl. Nun begann die Zeit einer wahrenSchreckensherrschaft für Portugal; die treusten Anhänger desKönigs wurden in Kerker und Festungen geworfen ; Leute, welchesich mit dem schönen Namen »der Freunde des Throns und Altars«schmückten, wurden die frechsten Empörer gegen ihren angestamm-ten, legitimen König. Diesen Werkzeugen des Usurpators wurdenalle einflussreichen Stellen in Heer und Staat übertragen. Alletreuen und loyalen Unterthanen wurden ihrer Stellen entsetzt undverfolgt. Wer sich durch die Flucht retten konnte, suchte imAuslände ein Asyl.
Aber selbst diese offenbare Usurpation wollte sich in denMantel des Hechts hüllen. Dom Miguel rief bereits am IS Maieine Versammlung unter dem Namen »der alten Kortes vonLamego« zusammen, welche seine Usurpation in den Augen derWelt Sanktioniren sollte. Auf den Ausspruch dieser sog. alten:i Stände vom 25 Juni 1828 und ihre Erklärung vom 11 Juli,Assento, legen die Miguelistcn den höchsten Werth. Untersuchenwir daher genauer, wer diese Kortes waren und wie sie zusammen-gebracht wurden.
Man gab sich das Ansehen, als wollte man die alten Korteszusammenrufen, welche im Jahr 1698 zuletzt getagt hatten undseitdem eingegangen waren. Man spiegelte der Welt vor, alsstellte man sieh mit dieser Berufung auf den Hoden des alten histo-rischen Rechts.
War aber Dom Miguel berechtigt, diese alten Kortes zusam-menzurufen? Nie haben die portugiesischen Stände ein Selbst-versammlungsrocht gehabt; zusammenberufen konnte sie nur derKönig. Dom Miguel hatte nur durch den Willen seines Brudersein Regierungsrecht in Portugal. Das Dekret vom 3 Juli 1827übertrug ihm die Regentschaft auf Grundlage der Verfassung vom19 April 1826. Seine Regentenrechte reichten nur soweit, als ersich auf verfassungsmässigem Hoden bewegte. Die Verfassungvom 19 April 1826 kannte aber keine andere Vertretung der portu-giesischen Nation als die in den beiden Kammern der Pairs undder Abgeordneten. Die Zusammenberufung der sog. alten drei Ständewar daher eine Verletzung der Verfassung, an deren BeobachtungDom Miguels ganzes Regierungsrecht gebunden war.
Hatte Dom Miguel somit nicht das geringste Recht, einesolche Einberufung der alten Kortes anzuordnen, so war die Art