] (J I. Das in Betracht kommende geschichtliche Material.
Weise der monarchische Nimbus als einziger Staatszweck galt,griff zu den willkürlichsten Mitteln der G e lderpressung. Diedirekten Steuern wurden in den Jahren 1704—1705 zu der uner-hörten Summe von jährli ch einer Million Thal ern hinaiifgeschrnnlitAusserdem wurden indirekte Steuern wie Stempel-, Verbrauchs-Licentsteuern einseitig und verfassungswidrig erhoben, woraussich dann ein langdauernder Prozess der Landstände gegen denLandesherrn vor dem Ileichshofrath entwickelte. Aber alles diesgenügte dem glänz- und genusssüchtigen Fürsten noch nicht. ImJahre 1705 Hess er den Landständen vortragen: seine kurpfälzischenund neuburgischen Lande seien ihm seit geraumer Zeit durchFeindesgewalt abgeschnitten, daher seien grosse Schulden kon-trahirt worden und er beabsichtige zur Hebung des Kredits eineBank in der Stadt Köln zu gründen. Die Stände bewilligten dazunur die Summe von 106,000 Thalern unter der Fedingung, dassdas Land dafür nicht verantwortlich gemacht werden könne, undnur von ihren Deputirten die Bankzettel zu dem angegebenenBetrage ausgegeben werden sollten; trotzdem zwang der Kurfürstdie Deputirten für eine Million Bankzettel zu unterschreiben. IhrFrotest blieb unbeachtet. Indessen wurden von dem neuge-gründeten geheimen Kriegskommissariat, in dessen Kasse die an-geblich zu Kriegszwecken bestimmten Gelder flössen, fernereBankzettel zum Betrag von mehreren Millionen ausgefertigt. Alsdie Zahlung der Bank in den Jahren 1713/14 stockte, wurde end-lich zur Einlösung der Fankbriefe die Eröffnung einer Anleihe von1 Millionen holländischer Gulden bei den Generalstaaten bewilligt.Alle diese Bankschulden, die nach und nach auf 6 Millionen stie-gen und das holländische Kapital, blieben als Schuld auf dem Landehaften und konnten trotz jährlicher bedeutender Zuschläge erst biszum Jahre 1804 gedeckt werden.
In die Zeit dieser Finanzspeculationen, wo die Fank errichtetund die grosse holländische Anleihe aufgenommen wurde, fälltdie Gründung der berühmten Bild ergallerie. Trotz-aller finanziellen Verlegenheiten sparte der Kurfürst niemals, woes galt, seine leidenschaftliche Liebe zur Kunst zu befriedigen.Zu seinen Ankäufen bediente er sich besonders des Chevalier vanDouven, eines damals berühmten Malers und Kunstkenners,welcher überall herumreisen musste, umFilder zur Bereicherung derGallerie ausfindig zu machen und zu erwerben. Bilder von Rubens,