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Zeugnisse zur Geschichte der Märchen
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54 Johannes Bol'te. FFC 39

Märchen ist) zwar nur ein Traum der Wahrheit, aber einzauberischer Traum, aus dem wir ungern erwachen undzu unserer Seele sagen: Träume weiter! Nicht etwa nurvon Zeit und Ort binden uns wahre Märchen los, sondernvon der Sterblichkeit selbst; wir sind durch sie im Reicheder Geister . . . Wunderbares Vermögen im Menschen,diese unwillkürliche und doch mit sich selbst bestehendeMärchen- und Traumdichtung!' — Vgl. Herders Vorredezu Liebeskinds Palmblättern (1786. Werke 16, 583).

146. J. H. Voss weist in einem Briefe an Brücknervom 13. Juni 1773 (Briefe 1, 143. 1829) auf das in seinerJugend gehörte Märchen vom Fundevogel 1 ) hin, das erdann I778 in seiner Idylle 'Der Riesenliügel' verwertete:'Aber, lieber Brückner, ja alte Gassenlieder mit Geschichtengesammelt! Einzelner Stellen entsinne ich mich, z. B.eine Zauberin flieht vor einem Zauberer, und ruft dabei:Hinne my Nacht, und vor my Dag, dat keen Minsch'myseen mag! Der Zauberer eilt mit Stiefeln hinter ihr her,worin jeglicher Schritt sieben Meilen ist.'

1780 benutzt er das Märchen vom Schmied zuJüterbogk (oben 2, 174); 1784 in der 1. Idylle der Luisedas Märlein von den drei Christen verschiedener Bekennt-nisse vor dem Himmelstore (1795 S. 45 = 1807 S. 50.R. Köhler, Aufsätze 1894 S. 74). Ebenda 1, v. 725 inder Ausgabe letzter Hand (1826 S. 45) heißt es:

Aber gewiegt von der sanft um den Kahn hergleitenden Wallung,Sank ich in kindische Träum' und schattete Spinnerinmährlein.

1804 erwähnt er den bis zum Ende der Welt wanderndenSchneidergesellen (oben I, 232).

') Oben 1,4.42. Vgl. F. Boehm, Zs. f. Volkskunde 2g, lo. 13.