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Name und Merkmale des Märchens
Entstehung
Seite
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40 Johannes Boi.tk. RFC 36

Umgegend von Neapel, teils in erfundenen Ländern spielen,in mallorkinischen, arabischen und indischen Märchen trifftdiese Bestimmung nicht zu. ' — In der Sage erscheint fernerdas Übersinnliche als ein Wunder, das seltsam und oftbeängstigend in die Menschenwelt hereinragt; im Märchenverschmilzt es natürlich und unlöslich mit dem Sinnlichenund Alltäglichen. Daher klingt die Sage, in der die sittlicheWeltordnung herrscht und jede Schuld bezahlt werdenmuss, so häufig ernst und herb aus, während das buntschil-lernde, heiterer Laune entspringende Märchen nicht langebei der Strafe des Bösen verweilt, sondern einem erfreu-lichen Abschlüsse zustrebt. Nur in vereinzelten Fällen(Grimm nr. 41—43. 211) überwiegt auch im Schauermärchender Hexen- und Menschenfresserspuk. — Der Stil endlichder Sage ist sachlich, kurz und klar; der Märchenerzählerdagegen gibt seiner Geschichte. eine möglichst anmutigeForm und malt Nebenumstände behaglich aus.

Dem Märchen verwandt ist der Schwank, der durchdie Erzählung lustiger Streiche, unerhörter Dummheit,übermütiger Aufschneiderei, pfiffiger Diebereien und wag-halsiger oder verfänglicher Liebesabenteuer ergötzen will.Wenn er dabei auch oft über die Grenzen der Wahrschein-lichkeit hinwegschreitet, so steht er doch der Wirklichkeitund der Gegenwart 2 näher als das Märchen, dessen Wun-derglauben er manchmal parodierend überbietet, wie inmehreren Fassungen des tapferen Schneiderleins (Gr. 20.r83) und des Armen und des Reichen (Gr. 87; ferner oben2 > 95- 5 11 ). oder zur Verdeckung eines Betruges ausnutzt,wie im Doktor Allwissend (Gr. 98), den klugen Leuten (104),

1 Benfey, Kl. Schriften 3, 158. F. v. d. Leyen, Das Märchenigjj S. 77. Schmidt-Kahle, Palästina S. 34*

- Man darf hier vielleicht daran erinnern, dass manche Nar-ren- und Schalksstreiche sich frühzeitig an den Namen histo-rischer Personen wie des Pfaffen von Kaienberg, Eulenspiegels,Gonnellas, Nasreddins anhängten.