II
Drei Wünsche.
Ein junges Ehepaar lebte recht, vergnügt undglücklich beysammen, und hatte den einzigen Fehler,der in jeder menschlichen Brust daheim ist: Wennman's gut hat, bått' man's gerne besser. Aus die-fem Fehler entstehen so viele thörichte Wünsche, wo-ran es unserm Hans und seiner Life auch nichtfehlte. Bald wünschten sie des Schulzen Acker, balddes Löwenwirths Geld, bald des Meyers Haus undHof und Vich, bald Einmal hunderttausend Millio-nen baierische Thaler kurz weg. Eines Abends aberals sie friedlich am Ofen saßen und Nüse aufklopf-ten, und schon ein tiefes Loch in den Stein hincinegeklopft hatten, kam durch die Kammerthür ein weißses Weiblein herein, nicht mehr als einer Elle lang,aber wunderschön von Gestalt und Angesicht, unddie ganze Stube war voll Rosendust. Das Lichtlöschte aus, aber ein Schimmer wie Morgenroth,wenn die Sonne nicht mehr fern ist, stratte von demWeiblein aus, und überzog alle Wände. Ueber soetwas kann man nun doch ein wenig erschrecken, soschön es aussehen mag. Aber unser gutes Ehepaarerhohlte sich doch bald wieder, als das Fräulein mitwundersüßer silberreiner Stimme sprach:» Ich bincure Freundinn, die Bergfey, Anna Frige, dieim kristallenen Schloß mitten in den Bergen' wohnt Fmit unsichtbarer Hand Gold in den Rbeinsand streut,und über siebenhundert dienstbare Geister gebietet.Drei Wünsche dürft ihr thun; drei Wünsche sollenerfüllt werden." Hans drückte den Ellenbogen an denArm seiner Frau, als ob er sagen wollte: Das laustet nicht übel. Die Frau aber war schon im Be-