40 AA. Nr. 87.
Prachtwerke vereiniget sind: Holzschnitte berühmter Meister. Eine Aus-wahl von schönen, charakteristischen und seltenen Originalformschnit-ten &c. Leipzig 1851 ff., fol. Im fünften Hefte ist ein Facsimile desHolzschnittes von Altdorfer, welcher den hl. Hieronymus in der Grottevorstellt, B. No. 57. Dieses Blatt hat ein höchst originelles, malerischesGepräge, so wie es nur die Hand des zeichnenden Künstlers aufdrückenkann. Es spricht im Vergleiche mit anderen, wie z. B. mit den Blät-tern, auf welchen die beiden ersten Zeichen mit den Jahrzahlen vor-kommen, entschieden für die Eigenhändigkeit Altdorfer's. Doch ist derhl. Hieronymus nicht das einzige Blatt dieser Art. Eines der herr-lichsten Originalblätter des Meisters ist auch der Betende vor der Ma-donna, B. 49. Man betrachte ferner aus der kleinen Folge, welcheden Sündeufall und die Erlösung des Menschen zum Gegenstand derDarstellung hat, das meisterhafte Blättchen der Gruppe am Baume, woder Heiland an's Kreuz geschlagen wird. Auch hier ist die malerischeHand Altdorfer's zu erkennen, und kein anderer Formschneider konntein so kleinem Räume eine solche malerische Wirkung erreichen. Alt-dorfer's Hand erkennt man auch in einem farbigen Holzschnitt, odereinem sogenannten Holldunkel. Dieses Blatt stellt die schöne Mariavon Regensburg vor, das Kniestück der hl. Jungfrau mit dem Kindein einer architektonischen Einfassung gleich einem Hausaltärchen. DasBlatt wird von Bartsch No. 51 beschrieben. R. Weigel gibt es imersten Supplementhefte seines Prachtwerkes (1856) in Facsimile. DieOriginalabdrücke in Farben sind äusserst selten.
Es wird indessen keinem einfallen, alle Holzschnitte Altdorfer'sfür Original zu erklären; ein grosser Theil ist von anderer Hand nachZeichnungen des Meisters gofertiget,. und wohl viele sind unter seinerAufsicht ausgeführt. Derjenige, welcher dem Verfasser des Peintrcgraveur offen den Krieg erklärte, ist C. Fr. von Rumohr, zuerst in derSchrift: Hans Holbein der jüngere in seinem Verhältnisse zum deut-schen Formschnittwesen. Mit Anmerkungen von R. Weigel. Leipzig 183C.Eine weitere Begründung folgte 1837 in dem Werke: Zur Geschichteund Theorie der Formschncidokunst, von C. F. v. Rumohr, und 1840trat A. E. Umbreit in die Schranken mit der Schrift: Uebcr die Eigen-händigkeit der Malerformschnitte. Die Zahl derjenigen, welche sichfür diese Eigenhändigkeit erhoben haben, ist bedeutend, aber seit Jahrenspinnt sich der Streit fort. Der Kampfplatz war namentlich das Stutt-garter Kunstblatt, welches in den Märztagen die Segel strich. In demdarauffolgenden deutschen Kunstblatt traten die Kämpfer bereits mitweniger Erbitterung auf, und wenn die Gegner der Eigenhändigkeitunter der Bedingung die Hand reichen wollen, dass man ihnen zuge-stehe, dass sicher nicht alle alten Formschnitte von den Zeichnern undMalern herrühren können, so wird der ewige Friede nicht lange aufsich warten lassen. Die Ansicht aber, dass die alten Maler das Sehnoid-inesser immer mit Stolz von sich gewiesen haben, ist eben so unhaltbar,als wenn man behaupten wollte, Thorwaldscn habe es verschmäht inThon zu modelliren, weil er die Finger beschmutzen könnte.
Blätter, welche im Peintre graveur von Bartsch nichtbeschrieben sind:
Kupferstiche.
Die Kunde von einigen dieser seltenen Stiche verdanken wir demHerrn Job.. Andreas Börner.
1) St. Sebastian am Baume von einem Pfeile durchbohrt. Seine Armesind an die Aestc gebunden, und links unten ist Gesträuch und eine Hütte,sowie das Zeichen mit der Jahrzahl 1501 oder 1511. H. 3Z. 3 L. Br. 1 Z. 9 L.Dieses Blatt ist verschieden von jenem bei Bartsch No. 23.