AV. No. 1423. 591
schritte machte, aber ohne je demselben vollkommen gleichzukommen.Es ist Uebertreibung, wenn ihn einige sogar über Marc Anton setzenwollen, gesetzt auch, rtass einige seiner Blätter trefflich gestochen sind.Agostino copirte in Hom Blätter von Marc Anton, und stach auch un-mittelbar nach Zeichnungen von Rafael. Ucbordiess fuhr er auch fort,Compositionen des B. Bandinolli durch den Stich zu veröffentlichen.Giulio Romano vertraute ihm ebenfalls mehrere Bilder an. Die vierEvangelisten, und die hei einer Vase sitzende Frau sind mit 1511)datirt. Ein Blatt nach Michel Angelo, die sogenannten Kletterer ausdem berühmten Pisancr Carton des Meisters, ist mit der Jahrzahl IS'J.'iversehen. Zu jener Zeit trat Agostino mit Marco di Ravenna in Ver-bindung, um alle jene Compositioncn Rafael's, welche Marc Anton nochnicht gestochen hatte, in Nachbildung zu verbreiten. Doch scheinenbeide Künstler auch noch andere geringere Stecher in's Interesse ge-zogen zu haben, da' man auch Blätter findet, welche von so mittel -massigem Werthe sind, dass man sie dem Agostino, und dem Marendi Ravenna nicht zuschreiben kann. Vasari legt sie ihnen dennochbei, und Hcinecke nahm ki inen Anstand, dem genannten SchriftstellerGlauben zu schenken. Das Unglück, welches 1527 über Rom herein-brach, traf auch den Marc Anton, und kostete dem Marco von Ravennagar das Leben. Agostino di Musi scheint weniger berührt worden zuseyn, denn er fuhr 1528 in Rom fort, Platten nach Rafael, SebastianeSerlio (lt. No. 528-533), und nach antiken Werken zu vollenden. Einebedeutende Anzahl von Blättern aus jener Zeit stellt antike Monumente,Statuen, Basreliefs, Vasen, Zicrfeldcr, Ornamente &(■-. vor. Nur zeit-weise unternahm er noch Platten nach Rafael, G. Romano und Bandi-nelli. Um 1535-1536 stach er Bildnisse hoher und berühmter Männer,theils In einem bis dahin ungewöhnlichen Formate. Das Todesjahrdieses Meisters ist nicht bekannt. Man glaubt er sei gegen 1540 ge-storben. Bin späteres Datum, als 1536, weiset aber keines seinerBlätter auf.
Bartsch beschreibt von A. de Musis 195 Blätter, vermengt sie abermit jenen des Marc Anton und Marco di Ravenna. Accht sind abernur 178 Blätter, und 17 werden ihm mit mehr oder weniger Recht zu-geschrieben. Unten fügen wir einige bei. Ungefähr 90 Blätter habendas Zeichen A. V. mit und ohne .Tahrzahl. Das gothisch geformte Abrachte Zani auf die Idee, dass die Blätter mit demselben einem ano-nymen deutschen Meister angehören. Fr verspricht an verschiedenenStellen, den Beweis dafür liefern zu wollen, zuletzt ging aber dieserniit der Hypothese in den Wind auf. Zani konnte keinen Grund fin-den, und schwieg lieber, als dieses einzugestehen. Die Blätter mit demgothischen A sind indessen leicht gezählt. Zwei derselben tragen dieJahrzahl ISIS, zehn 1S16, vier 7.5/7, fünf f-5/A, und zwei sind ohneDatum. Man kann aber nicht annehmen, dass Agostino in seiner frühenZeit ausschliesslich des gothischen A sich bedient habe, indem das ita-lienische A gleichzeitig vorkommt. Später setzte er nie mehr ein go-thisches A. Unter den von Bartsch beschriebenen Blättern sind ferner57 nur mit A. V. bezeichnet, ohne Datum und Angabe des Malers. Dazugehören die ersten Versuche nach Giiilio Campagnola, und auch seineHaupthlätter nach Rafael. Zwei Blätter nach letzterem: Der KaiserHadrian mit Androclus, und die Hexe (Stregozzo, Carcasse &c.) habenauch ein Täfelchcn mit A.V., welches in der Form von jenem desMarc Anton abweicht, indem der Henkel zirkeiförmig ist, während'bn Marc Anton oben horizontal abschnitt. Man nimmt ziemlich all-gemein an, dass diese Blätter von Agostino und Marc Antonio ge-meinschaftlich gestochen seien, andere aber glaubten auch, dass die