Druckschrift 
1 (1858) A - CF
Entstehung
Seite
590
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$90 AV. No. 1423.

1423. Agostino Veneziano, der berühmte Kupferstecher, stammt

aus der Familie der Musi,und daher nennt er sichauch Augustinus Vcnelus DeMusis, woraus einige frühereSchriftsteller einen Augustin

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1490 zu Venedig geboren werden, und spricht von einem Blatte mit derJahrzahl t0O9, welches er aber unter den Werken des Künstlers nichtbeschreibt. Das älteste bisher bekannte Datum auf Agostino's Stichenist iSiß, und es bezeichnet uns die Zeit seiner Anfänge. In diesemJahre copirte er den Astrologen des Giulio Campagnola B. 8. DasOriginal trägt die Jahrzahl Iton, welche am Globus steht. Damalsscheint Agostino der Schüler des G. Campagnola gewesen zu seyn, daer der Manier desselben huldigte. Ausser dem Astrologen copirte ernoch zwei andere Blätter des Meisters, den alten und den jungen Hirten,vielleicht Blätter aus derselben Zeit, da er in der Zeichnung noch sehrschwach erscheint. Der Stich ist äusserst fein und mager, und erkonnte auch hierin seinem Vorbilde nicht folgen. Auf der Copie dosalten Hirten steht der Name: AGVSTINO DI MVSI, die spätere Wieder-holung ist aber mit A. V. bezeichnet. Hierauf wandte sich Agostinodem Albrecht Dürer zu. Er copirte aus dessen Blatte mit Adam undEva den Hasen, die Katze und den Ochsen, und aus jenem mit St. Eu-stachis die beiden Hunde. Auch dieses Blatt ist mit dem vollen Namenbezeichnet, wie der alte Hirt, er wurde aber bei dem späteren DruckeWeggenommen, um die Copie dem A. Dürer unterzustellen. Zani II. 2.p. 221 will wissen, dass der Künstler auch die Figuren des Adam undder Eva copirt habe, allein bisher hat sich die Sache noch nicht be-stätiget. Nach dieser Vorübung dürfte aber A. de Musi Dürer's Ma-donna mit dem Affen copirt haben, welche ebenfalls mit dem Familien-namen bezeichnet ist. Das erste grosse Blatt des Künstlers ist aberdie Copie des Abendmahles aus Dürer's Ilolzschnittpassion von 1510.Agostino lies jedoch diese Jahrzahl, sowie Dürer's Monogramm weg,und zeichnete dafür A. V. laib. Die Studien nach dem deutschenMeister förderten den jungen Künstler ungemein. Von jetzt an wirdseine Behandlung breiter, und die Hand erlangt die nfithige Freiheit inFührung des Stichels.

Die genannten Blätter, und wahrscheinlich auch noch einige andereanaloge Stiche führte der Künstler in Venedig aus, im Jahre 1515scheint er aber Florenz zum Aufenthalte gewählt zu haben. Mit tat!)datirt sind 5 Blätter nach B. Bandinelli: Apollo und Daphne, Cleopatra,Diogenes und der Mann mit dem Notcnbuchc. Mit Bandinelli kam aberA. Veneziano auch noch später in Berührung, da er 16—18 Blätternach ihm gestochen hat, worunter Vasari besonders die Notomia, d. h.die Anatomie, oder die Skelette von 1518 nennt. Mit Andrea del Sartowar er aber nicht glücklich. Agostino stach 1516 nach ihm den Leichnamdes Heilandes von drei Engeln unterstützt, oder die sogenannte Pietä.,welche der Meister für G. B. Puccini gemalt hatte. Andrea del Sartosoll mit dem Stiche so unzufrieden gewesen seyn, dass er ihm nie mehreilt Bild anvertrauen wollte, wie Vasari behauptet. Dieser Schriftstellerist aber mit der Zeit im Irrthum. Er lässt den Agostino nach der 1527erfolgten Einnahme von Born an's Werk gehen, während auf dem Stichedie deutliche Jahrzahl 15 Hi steht.

Im Laufe des Jahres 1516 begab sich Agostino de Musis endlichnach Born, wo er jetzt unter Leitung des Marc Anton erfreuliche Fort-