Druckschrift 
1 (1858) A - CF
Entstehung
Seite
508
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508 AR. Nr. 1169.

er sich mit dichterischem Geiste bewegt, und mit allen Mitteln vertraut,Meisterwerke schafft. Zu seinen neuesten und grossartigsten Leist-ungen gehören die Wandgemälde im Rathhaussaalc zu Aachen, wo.Rethel den für diese Stadt so bedeutungsvollen Geschichtskreis Carldes Grossen zur bildlichen Anschauung brachte. Er begann das Werk1850 in den grossartigsten Dimensionen.

Nachträglich müssen wir hier auch noch auf Zeichnungen aufmerk-sam inachen, welche durch Nachbildungen bekannt sind. Darunter isteine grosse Lithographie, welche den Dichter Schiller in ganzer Figurmit scenischen Rundbildern darstellt. Ein anderes, von A. Kaufmannlithograiibirtcs grosses Blatt bat die Nemesis zum Gegenstände. Diese,und frühere Blätter nach Kcthol's Zeichnungen, sind mit dein Namendes Urhebers versehen, auf anderen kommt aber das Monogramm des-selben vor. Zunächst erwähnen wir der meisterhaften Holzschnitte, mitwelchen die Uebcrsctzung des Nibelungen - Liedes von G. 0. Marbachnach seinen Zeichnungen geziert ist. Dieses Prachtwerk erschien 1840zu Leipzig bei Wigand, und enthält auch Compositionen von J. Hühner,und E. Iicndemann, geschnitten von II. Bürkner, F. Unzelmann, A. Vo-gel, E. Krctzschniar und anderen berühmten Xylographcii. Auf Blätternnach A. Rethel steht das dritte der gegebenen Zeichen. Es kommtauch verkehrt vor, so dass es unter RA. zu suchen ist. Auf Gemäldenbediente sich der Künstler nur in seiner früheren Zeit eines Monogramms.

Ein anderes, inhaltsreiches Werk von grossartiger poetischer Auf-fassung ist A. Rethel's Todtentanz aus dem Jahre 1848, mit erklärendemText von R. Rcinick. Rethel fasstc seine Ideen in 6 Blättern zusammen.Durch und durch deutsch, und vom Geiste A. Dürer's beseelt, konnteer sich in jener bewegten Zeit der politischen Tendenz nicht entschlagen,der Künstler steht aber auf conservativer Basis, und lässt von da auseine ernste Mahnung ergehen. Die Compositionen sind unter Leitungvon II. Bürckner im akademischen Atelier für Holzschneidekunst zuDresden von Gaber xylographirt, und erschienen 1849 bei G. Wigandin Leipzig, qu. fol. Der Beifall, welchen dieser Todtentanz erhielt, warein ausserordentlicher, und daher erfolgte eine Auflage auf die andere.Es war damals überhaupt eine Zeit der Todtcntänze. Dieser ernste,grossartige Stoff hatte manches Künstlcrgemüth ergriffen, und die Li-teratur des Freundes Ilain wurde daher in neuester Zeit sehr vermehrt.

Verschieden von dem erwähnten Werke Rethel's sind zwei andereBlätter mit Todtentanzsccncn, welche von Jungtow und Steinbrechernach Zeichnungen desselben in Holz geschnitten wurden. Das eine dieserBlätter zeigt den Tod als Freund nach lauger Mühe dos Lebens. &ßalter Thurmwächtcr sitzt auf der Glockcnstubo in seinem Lehnsesselschlummernd mit den welken Händen im Schoosse. Der Tod ist inGestalt eines Pilgers hereingekommen, und zum Glockenstrang getreten,um das Storbeglöcklcin für den zu läuten, der es so oft für andereangezogen hatte. Durch diese einfache, höchst glückliehe Compositiongeht eine wunderbar harmonische, rührende Stimmung. Das andere Bild,„der Tod als Erwürger" betitelt, zeigt diesen auf dem Maskenbälle, d sAnspielung an das erste Auftreten der Cholera auf einem solchen Ballein Paris 1831. Der Tod steht in Mitte des Saales unter dem grossenKronleuchter im langen Domino, und fiedelt auf einem Monschenknochen.Ring« umher sind Masken gefallen, und die Musikbande entweicht mitEntgelten von der Tribüne. Im Hintergründe sitzt die Cholera als ma-gere, dunkle Asiatin mit weissem Burnus und der Gcisscl. in den Händen.Diese beiden Folioblätter haben das erste und zweite Monogramm- ^ ,cerschienen 1851 bei E. Schelta in Düsseldorf, und sind bisher ohneFortsetzung geblieben.