580 Beilage: Elf Briefe des Reinhart Noltz.
10. 1498. 4. Sept. [Worms.] — R. Noltz an die Wormser Botschaft in Frei-burg i. Br. über die Lage der Dinge.
Ersamenn und gunstigen lieben herrn gevatter swager und gutenfrunde! Uch syen myn gantz willige und unverdrossen dienst und wesz ich5 eren liebs und guts vermagk altzyt zu vor. Lieben lierren! Uwer lestschryben mynen hern dem raet und auch myr gethan habe ich mitt begier-lichem hertzen hören und selbs gelesen und vorware ist in der Sachen keynschriefft nye so noit gewesenn, dann der dechant zu s. Andre wasz den diens-tag zu abent kommen und desz vorgenommen talmuts zu Fryhurgk abschriefft
10 braecht, die selbe alle pfaffen laszen lesen, der uff den dag und den anderndarnach fiel mee zu Worms waren dann zu andern tzyten, nach dem esz diedag sendt wasz, unnd hatt mitt so turer glauphafftiger zusage, dasz solichshabe muszen angenommen worden sin von beyden teylen und dasz und keynandersz myt dem zusatz, dasz ir der statt geschieckten vor der ko. mt. und
is der versammelung haben uff uwern knyen gelegen mytt heyszen tränenjamerliche weynende, aber die ko. mt. hab esz nitt wollen andern, sunderalso wollen gehabt han. Adam stattschryber habe auch so viel daselbs ge-redt, dasz yen grave Adolff habe heyschen swygen und yem die ko. ml.wollen laszen den koppff abhauwen, mitt fieln andern onndtzen anhengen
so und dorichten Worten, und haben solichs den fremden pfaffen im sendt be-volhen allenthalben im lande warhafftigklich nach zu sagen und zuverkunden.Und wiewoil esz abberrnalsz alsz auch vor zum diecker male nitt wäre ist,hatt esz doch also eyn groisz geschrey inn die statt und gemeynde braecht,dasz ich esz uch nitt woil geschryben kan. Und unser Hughane mitt sinen
25 anhengen die stunden in dem tome by den pfaffen und lachten und warenso kietzellicht, dasz esz zu fiel wasz. Aber ir freyde ward bald verkart inbetrupnusz, so bald myr uwer schriefft desz myttwochs zu abent um 6 urenward, lieff ich von stunden ane zu Jörg Brune und schuff desz morgesz fröealt unnd nuwe r&et zu machen, yenen uwer schriefft den raet gethan laszen
30 lesen und wyter usz mynen schriefften so viel mich nutz und gutt duchtyenen im raet beriecht gethan ; desz sie warlich alle von hertzen erfrawetone alleyn der Hughane hatt den pieptz gewonnen, ward so still, dasz mannitt eyn menschlich geperde an yem sache. Da bevolen uch samentlich vonraets wegen zuschryben, dann vorware der raet uwer arbeit muhe und flysz
35 woil ermyeszt, auch willig umb uch all yedem nach siner gepure zu er-kennen und beschulden, desz ich mich sunderlich vor mich selbs auch flyszenwell. Und wollen morgen frydag die zunfftmeynster haben den selbigenuwer schriefft auch lesen laszen und vorhalten, dann die pfaffen sint nochso starck in irem vornemmen unnd glauben, dasz eyner will wetten umb
40 eyn pferdt, der ander umb eyn landt, esz sy dannocht und noch wäre, solichberiecht habe krafft unnd musz von beyden teyln angenommen und gehaltenwerden, da durch unser gemeynde zu verfuren. Dar umb uns noit duncketden armen in der gemeynde gestalt und gelegenheit desz handelsz so vielnoit auch zuerkennen gebben; dann vorware ir fiel waren schierer usz
45 wanckelly vorn glauben gefallen. Der stattschryber hatt myr vor dieser tzyttgeschrieben von eynem nuwen modus zu handeln für und für on fragen etc.