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Monumenta Wormatiensia : Annalen und Chroniken
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X Einleitung.

hing von 1526. Deshalb habe ich in den Beilagen und in den An-merkungen die einschlägigen Urkunden gang oder im Hegest abgedruckt,dazu noch eine Sammlung der Wcistümer, Eide und Verordnungen, welchedas Bild, das man aus den Urkunden erhält, wesentlich vervollständigen.Auch dem Nationalökonomen wird manches, was ich, hier biete, nichtohne Interesse sein. Jedenfalls wird man diesen Sand bei Studien überStädtegeschichte nicht aufser Acht lassen dürfen.

Die französische Revolution hat zwar nicht die von den damaligenMenschen so heifs ersehnte Freiheit gebracht, wohl aber dafür die nichtminder feurig erstrebte Gleichheit. Gleiches Recht für alle war dasFeldgeschrei der Vorwärtsstrebenden und man setzte sieh mit diesemSchlachtruf in bewußten Gegensatz zur früheren Zeit. Gröfser kann derAbstand der neuen Zeit zum Mittelalter nicht sein als gerade in derForderung des gleichen Rechts für alle. Damals tvar man zufrieden,wenn jeder sein Recht hatte, von Rechtsgleichheit wollte, niemand etwaswissen. Nicht gleiches Recht strebte man an, sondern ein Vorrecht.Auf der Privilegierung beruht die Freiheit im Mittelalter. Es war einbeständiger Wettlauf der verschiedenen Körperschaften und Machtinhaberum Erlangen besserer Privilegien oder Freiheiten. Dadurch wurdenimmer wieder Dritter Rechte verletzt und daraus entstand neuer Zwie-spalt und nie abbrechender Kampf. Auf den von Kaisern, Päpsten undBischöfen erteilten Privilegien beruhte der Rechtszustand der rheinischenBischofsstädte. Notwendigerweise mufste man den Blick stets in die Ver-gangenheit richten, auf der die Gegenwart ruhte. Ein historisches Be-wufstsein wurde dadurch geweckt und lebendig gehalten und der Kampfder verschiedenen Gewalten und Tendenzen regte das historische Denkenan und führte zur historischen Darstellung. Nirgends mehr als in Wormsmufste das der Fall sein. Hier blieb die Erinnerung an das deutscheSeldenteitalter lebendiger als irgendwo sonst. Die Bürgerschaft vonWorms war die erste, die aktiven Teil am politischen Leben nahm, deinverzweifelnden König Heinrich IV. den rettenden Arm bot und dadurcheine Wendung seines Geschicks bewirkte. Worms war seit den TagenKarls des Grofsen der Schauplatz grofser politischer Ereignisse, wichtigerReichstage. Die Stadt löste sich (dimälig von der bischöflichen Vormund-schaft los und strebte nach voller Autonomie. In eben der Zeit, wo derfürstliche Partikularismus die Reichseinheit untergrub, da entbrannteauch der Kampf zwischen Fürsten und Städten, der in Worms zugleichsich zu einem Kampf gegen die ultramontanen Tendenzen der deutschenKirche gestaltete. In diesem Kampfe zwischen Stadt und Pfaffheit bildendie Rachtungen die Ruhepunkte, von welchen jeweilen die historische. Be-trachtung ausging; denn sowohl die Stadt wie der Bischof hatten ein emi-nentes Interesse, den Gang der Ereignisse, jeder von seinem Standpunkte