250
rungen der neuen Zeit entsprach, bereits im Ent-wurf vorhanden war, welcher ein wenig später, trotzdes Widerspruches Lebrecht Krögers und einiger an-derer störrischer alter Herren, durch Senatsdekretzum Staatsgrundgesetz erhoben wurde. Volksver-treter wurden gewählt, eine Bürgerschaft trat zu-sammen. Aber es gab keine Ruhe. Tie Welt warganz in Unordnung. Jeder wollte die Verfassungund das Wahlrecht revidieren, und die Bürger zank-ten sich. „Ständisches Prinzip!" sagten die Einen;auch Johann Buddenbrook, der Konsul, sagte es.„Allgemeines Wahlrecht!" sagten die Anderen; auchHinrich Hagenström sagte es. Noch Andere schrieen:„Allgemeine Ständewahl!" und vielleicht wußten siesogar, was darunter zu verstehen war. Tann schwirr-ten noch solche Ideen in der Lust umher wie Auf-hebung des Unterschiedes zwischen Bürgern und Ein-wohnern, Ausdehnung der Möglichkeit, das Bürger-recht zu erlangen, auch auf Nichtchristen ... KeinWunder, daß Buddenbrooks Trina auf Gedankenverfiel, wie der mit dem Sofa und dem seidenenKleid! Ach, es sollte noch ärger kommen. Tie Tingedrohten eine fürchterliche Wendung zu nehmen ...
Es war ein erster Oktobertag des Jahres acht-undvierzig, ein blauer Himmel mit einigen leichten,schwebenden Wolken daran, silberweiß durchleuchtetvon einer Sonne, deren Kraft freilich nicht mehrso groß war, daß nicht hinter dem hohen, blankenGitter im Landschastszimmer schon der Ofen ge-knistert hätte.