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1 (1901) Buddenbrooks : Verfall einer Familie ; Roman
Entstehung
Seite
251
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Tie kleine Clara, ein dunkelblondes Kind mitziemlich strengen Augen, saß mit einer Strickereivorm Nähtische am Fenster, während Klothilde, aufgleiche Weise beschäftigt, den Sofaplatz neben derKonsulin inne hatte. Obgleich Klothilde Budden-brook nicht viel älter war, als ihre verheiratete Cou-sine, also erst einundzwanzig Jahre zählte, begannihr langes Gesicht bereits scharfe Linien zu zeigen,und ihr glatt gescheiteltes Haar, das niemals blond,sondern von jeher mattgrau gewesen, trug dazu bei,daß das Bild der alten Jungfer schon fertig war.Sie war zufrieden damit, sie that nichts, um demabzuhelfen. Vielleicht war es ihr Bedürfnis, schnellalt zu werdeu, um schnell über alle Zweifel undHoffnungen hinauszugelangen. Ta sie keinen Silber-groschen besaß, so wußte sie, daß niemand in derweiten Welt sich finden würde, sie zu heiraten, undmit Temut sah sie ihrer Zukunft entgegen, die darinbestand, in irgend einer kleinen Stube eine kleineRente zu verzehren, die ihr mächtiger Onkel ihr ausder Kasse irgend einer wohlthätigen Anstalt für armeMädchen aus angesehener Familie verschaffen würde.

Tie Konsulin ihrerseits war mit der Lektürezweier Briefe beschäftigt. Tony erzählte von demglücklichen Gedeihen der kleinen Erika, und Chri-stian berichtete eifrig von dem Londoner Leben undTreiben, ohne freilich seiner Thätigkeit bei Llr.Richardson eingehend zu erwähnen ... Tie Konsulin,die sich der Mitte der Vierziger näherte, beklagtesich bitterlich über das Schicksal der blonden Frauen,